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Oscar da Silva spricht über seinen Sprung ans College

 

„Ich versuche immer, meinem Team diese Ruhe beizubringen“

 

Oscar da Silva ist momentan eines der größten Talente im deutschen Basketball. Seine Entwicklungskurve explodierte in den letzten Jahren. Dabei verlor er nie seine Leichtigkeit und unglaubliche Vielseitigkeit auf dem Feld. Seine überragende Intelligenz, auf und neben dem Feld, sicherten ihm kürzlich ein Stipendium an der Stanford University. Mit beeindruckender Dominanz hält er sein Team, die IBA München, momentan an der Spitze der NBBL Südost.

 

German Basketball Future: Oscar, du bist vor ein paar Jahren in kurzer Zeit enorm gewachsen. Wie sehr hat die das geholfen und kamst du von Anfang an mit deiner „neuen Größe“ gut klar ?

Oscar da Silva: Das war nach meiner ersten JBBL-Saison. Es hat mir definitiv insofern geholfen, als dass ich infolge meiner Größe ein Postup Game entwickelt habe (entwickeln musste). Nachdem ich denke, dass mich die Kombination von Inside- und Outside-Game von anderen Spielern abhebt, war das schon wichtig für meine sportliche Entwicklung. Ich bin glücklicherweise auch recht schnell damit zurechtgekommen.

 

Danach bist du mit 16 Jahren in der 1. Regionalliga durchgestartet und hast enorm viele Minuten bekommen. Eine Saison später hast du die Liga mit einer Feldwurfquote von 70 % angeführt. Haben dir deine älteren Mitspieler den Umstieg vom Jugend- in den Herrenbereich erleichtert? Hat dir dein Körper dabei geholfen?

Ob ich direkt ‚durchgestartet‘ bin sei mal dahingestellt. Sich vom Jugend- in den Erwachsenenbereich umzustellen dauert einfach seine Zeit, jedenfalls in höheren Spielklassen. Das war auch bei mir nicht anders. Selbstverständlich versuchen die älteren Spieler mit Tipps und Tricks zu helfen und ich glaube, dass mich das auch weit vorangebracht hat. Körperlich habe ich mir gerade im ersten Jahr schwergetan.

 

Hat sich die Gangart deiner Gegner dir gegenüber verändert im Spiel? Wie gehst du damit um?

Mittlerweile bin ich im dritten Jahr in der Regionalliga und der NBBL. Dass sich die Gegner speziell auf mich einstellen und versuchen mich meiner Stärken zu berauben kam im Laufe der Zeit, das war nicht von Beginn an der Fall. Ich persönlich finde das aber nicht schlecht, weil es mich dazu zwingt mein Spiel ständig zu verändern und neue Wege zu finden den Gegner vor Probleme zu stellen. So entwickle ich mich weiter.

 

Du strahlst immer eine gewisse Coolness und Ruhe auf dem Feld aus, auch in kritischen Phasen. Wo nimmst du diese Ruhe her und warum lässt du dich durch nichts aus der Ruhe bringen?

Ich versuche immer meinem Team diese Ruhe beizubringen, sei es in München oder in der Nationalmannschaft. Ich denke mir mit kühlem Kopf spielt es sich, ganz einfach, (fast) immer besser. Man ist konzentrierter und spielt besser als Mannschaft, das ist gerade in den Schlussphasen wichtig. Wenn ich damit bei mir den Anfang mache kann ich meine Mitspieler mit dieser ruhigen Ausstrahlung ‚anstecken‘.

 

Im Sommer stand für dich eine große Entscheidung an. Du hattest die Wahl zwischen einigen größeren Programmen und der IBA München. Was waren deine Beweggründe, in dem Verein zu bleiben, in welchem du „groß“ geworden bist?

Der wichtigste Grund war, dass ich hier für meinen Traum ans College zu gehen volle Unterstützung fand. Und tatsächlich ist es für mich auf die besten Optionen hinausgelaufen, die ich mir hätte vorstellen können.

 

Kurz vor Weihnachten bist mit der U18 in die Türkei gereist, um an der U18-EM teilzunehmen. Ihr habt nach dem Titelsieg beim Albert-Schweitzer-Turnier 2016 als Favoriten gegolten. Ihr habt einen starken 4ten Platz ergattert, wäre noch mehr drin gewesen? Hat Richard Freudenberg dem Team gefehlt?

Richard und Isaac Bonga sind zwei ausgezeichnete Spieler, die der Mannschaft in der Türkei gefehlt haben. Trotzdem ist das keine Ausrede für unsere Leistung. Die hätte definitiv besser ausfallen können. Auch ohne die beiden hatten wir eine bärenstarke Lineup mit viel Talent und Tiefe. Leider tendenziell zu viele Bigs und zu wenig Guards.

 

Nach dem Turnier bist du bei Draftexpress im Ranking gesprungen. Wie fühlt sich es an, quasi aus dem Nichts, innerhalb von eineinhalb Jahren international bekannt zu sein? Wie wirkt sich das gewachsene Interesse auf dein Leben aus?

Ich versuche mich dadurch nicht zu sehr beeindrucken zu lassen und einfach weiter mein Ding durchzuziehen. Auf mein Leben hat das alles keine besonderen Auswirkungen.

 

Auch du gehst den Schritt ans College nach Stanford. Was war bei dir ausschlaggebend für diese Entscheidung? Und bitte erklär was du studieren willst.

Ich erwarte mir sportlich eine gute individuelle Weiterentwicklung. Auch das Team hat nächstes Jahr viel Potenzial. Parallel dazu möchte ich auch schulisch hart arbeiten und hoffentlich in vier Jahren einen der wertvollsten Uni-Abschlüsse der Welt in der Tasche haben. Studieren werde ich ein naturwissenschaftliches Fach. Vielleicht Biochemie.

 

Was genau erhoffst du dir für deine Spielerentwicklung in Stanford?

Körperliche Weiterentwicklung, mehr Konstanz in Dribbling und Wurf, Leadership.

 

Planst du die vier Jahre am College am Stück durchzuziehen, oder könntest du dir eine Unterbrechung vorstellen, wenn europäische Top-Clubs anfragen, oder du in der NBA-Draft als Lotterypick gehandelt wirst?

Kommt auf das Angebot an. Falls die NBA mal anklopfen sollte werde ich das auf jeden Fall ernsthaft in Erwägung ziehen. Europa vielleicht.

 

Hast du dir schon mal überlegt, Basketball sein zu lassen und dich nur auf deine akademische Laufbahn zu konzentrieren?

Bisher selten, weil ich das Basketballspielen immer als Mittel oder Wegbereiter für eine akademische Laufbahn gesehen habe, bei der ich Basketball nicht ausschließen muss.

 

Beschreibe bitte Oscar da Silva abseits des Basketballfeldes.

Abgesehen davon, dass ich jeden Tag in irgendeiner Halle stehe und Bälle auf Körbe schmeiße, mache ich was Teenager halt machen. Sprich arbeiten, mit Freunden treffen oder ab und zu mal faulenzen. Ich verbringe gerne Zeit unter Leuten. Mit dem Team sowieso aber auch abseits des Feldes.

 

Was betreibst du in deiner Freizeit als Ausgleich zum Basketball und zur Schule?

Mein Abitur habe ich im Sommer 2016 bestanden. Schulisch habe ich also keinen Druck mehr. Trotzdem beschäftige ich mich gerne zwischendurch mit Dingen, die mit Basketball wenig zu tun haben, um meinen Kopf frei zu kriegen. Vor ein Paar Jahren hab ich zum Beispiel herausgefunden, dass mir Angeln ziemlich Spaß macht, so blöd das vielleicht klingt. Die Leute, die mich sehen, denken bestimmt auch, ich bin bescheuert, wenn sie einen zwei Meter großen Halbschwarzen in Deutschlandklamotten, mit der Angel in der Hand, am Fluss sehen. Aber mir gefällt es sehr. Glaube außerdem, dass es wichtig ist so einen ‚Ruhepol‘ zu haben, wo man mal den Kopf freikriegt.

 

Vielen Dank Oscar!