Alasanne Dioubaté im Interview

„Für mich war immer klar, dass ich mein Leben nicht nur auf Basketball ausrichte.“

 

 

Alassane Dioubaté war schon dort, wo viele hin wollen. Er hat in der easycredit BBL gespielt und ist dort für die Crailsheim Merlins aufgelaufen. Auf seinem Weg dorthin hat er sich zwischen Teilen seiner Familie und dem Basketball entscheiden müssen und ist durch das ein oder andere namhafte Programm gelaufen. Inzwischen hat er (vorerst) seine Sneaker in den Schrank geräumt, um seinem Studium die volle Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Alassane, du bist in deiner Jugend von Köln nach München gezogen. Wie war es für dich, auf ein Mal ohne deine Mutter klarkommen zu müssen?

Alassane Dioubaté: Ohne meine Mutter klarkommen zu müssen war anfangs natürlich ungewohnt, vermisst habe ich sie natürlich auch, jedoch hatte ich mit meinem Vater und meinem Bruder noch genügend Familie um mich, um nicht komplett in Trauer zu versinken.

 

Beim FC Bayern Basketball bist du vorstellig geworden und wurdest in das neu entstandene Basketball Programm aufgenommen. Kannst du dich an die damalige Stimmung im Verein erinnern?

Es herrschte natürlich eine Aufbruchsstimmung. Ich weiß nicht wie es vor der ‚Bauermann-Ära‘ beim FC Bayern war, ich glaube aber, dass jeder im unmittelbaren Umkreis des Vereins gespürt hat, dass sich etwas tut.

 

Dein Coach war kein anderer als Felix Czerny, welcher aus Urspring geholt wurde. War er maßgeblich an deiner Entwicklung beteiligt? Oder hättest du diese auch in einem anderen Verein schaffen können?

Felix ist ein großartiger Trainer, der spielerisch das Beste aus seinen Jungs herausholen will und das auch tut. Natürlich war er deshalb auch an meiner Entwicklung beteiligt, ja. Einen sehr großen Anteil hatten jedoch auch Berthold Bisselik und Volker Stix. Ohne diese beide wäre ich auf jeden Fall weniger weit gekommen als mit ihnen.

 

Du warst immer sehr nah an den Jugendnationalmannschaften dran und hast ein paar Nationalspiele auf dem Buckel. Hättest du gerne mal ein großes Turnier mitgespielt?

Damals auf jeden Fall! Turniere sind immer was besonderes und innerhalb einer Mannschaft herrscht während dieser Phase eine ganz besondere Teamchemie. Mit dem Adler auf der Brust ist es wahrscheinlich noch besonderer.

 

Nach deiner aktiven Zeit beim FCBB bist du innerhalb Münchens zum größten Konkurrenten gewechselt und hast beim MTSV Schwabing angeheuert. Wie hat dich die 1. Regionalliga auf deine BBL Zeit vorbereitet? Wären deine Chancen erfolgreich zu sein nicht größer bei den Bayern gewesen?

Mir ging es hauptsächlich darum viel Spielpraxis zu sammeln, was mir Schwabing denke ich bieten konnte und wollte. Robby Scheinberg holt auch als Individualtrainer nur das Beste in Spielern heraus und bereitet sie gut auf das nächste Level vor. Von daher fiel mir die Entscheidung damals, zu Schwabing zu wechseln, nicht schwer.

 

Wie kam es zu dem Wechsel nach Crailsheim in die BBL? Gab es noch andere Interessenten?

Natürlich durch die Kooperation von Schwabing und Crailsheim. Andere Interessenten gab es. Hauptsächlich Vereine die mir das Spielen mit Doppellizenz ermöglicht hätten, also BBL und ProA oder ProB.

 

Inzwischen studierst du Jura, ist das ein Kindheitstraum? Oder hat sich dein Interesse für Jura erst später entwickelt?

Für mich war immer klar, dass ich mein Leben nicht nur auf Basketball ausrichte. Dazu ist das Leben als Sportler 1. zu kurzlebig und 2. zu risikoreich, vor allem in Anbetracht meiner Verletzungshistorie. Von daher bin ich froh, trotz der sportlichen Belastung mein Abitur gemacht zu haben und studieren zu können. Jura hat mich schon immer interessiert, wirklich damit beschäftigt damit habe ich mich aber erst nach dem Abi.

 

Um dein Studium aufzunehmen bist du nach Passau gezogen. Die nächst größten Basketball-Städte sind München (BBL) und Nürnberg (ProA), zu welchen du jeweils 1,5h fahren müsstest. Hast du dich mit dieser Entscheidung aktiv gegen Basketball entschieden? Oder gab es kein Angebot, welches dich gereizt hat? 

Ja. Nach der Saison in Crailsheim gab es zwar Angebote, jedoch war für mich klar, dass ich meine Zeit nicht mehr dem Basketball opfern wollte.

 

In Passau könntest du dich in der 2. Regionalliga Südost austoben, weshalb bleibst du dem roten Leder fern?

Einfach um mal das Leben abseits des Balles kennenzulernen. Ich will nicht sagen, dass ich durch Basketball meine Jugend verpasst habe. Jedoch weiß ich, dass ich auf viele Dinge verzichten musste, die Gleichaltrige erleben durften. Bis jetzt juckt es mich noch nicht in den Fingern.

 

Frech gefragt könnte man meinen, du hättest Basketball “aufgegeben”. Wie stehst du dazu?

Aufgegeben habe ich Basketball auf jeden Fall. Nur sollte nach dem Grund gefragt werden. Nicht jeder schafft es in die NBA, man sieht ja wie viele tatsächlich den Sprung schaffen. Klar, eine solide BBL Karriere hätte ich wahrscheinlich hinbekommen, jedoch habe ich keine Lust, mich 10-12 Jahre durch Deutschland zu zocken, um dann mit 35 NBBL Trainer zu werden. Basketball ist zwar schön, und Profi zu werden war auch lange ein Traum von mir, jedoch habe ich zum Glück rechtzeitig genug realisiert, dass Basketball alleine mich im Leben nicht dahin bringt, wo ich sein will. Wenn du Dennis Schröder oder Dirk Nowitzki heißt, ist das natürlich was anderes.

Beschreibe dich bitte abseits des Basketballs.

Ich bin auf jeden Fall jemand der gerne Spaß hat. Das Leben ist zu kurz, um nichts zu erleben.

 

Würdest du deinem früheren ich raten, wieder genau alles gleich zu machen? Und wenn du was ändern könntest, was wäre es?

Ich würde nichts anders machen. Egal ob durch Basketball oder andere Dinge im Leben, ich habe viel mitgenommen, viele gute Freunde gefunden und kann sagen dass ich glücklich bin.

 

Vielen Dank Alasanne!

 

Foto: Herbert Würmseher