Robert Drijencic German Basketball Future

EWE Baskets Oldenburg Guard Robert Drijencic im Interview

„Ich bin selbst dafür verantwortlich, meine Ziele zu erreichen“

 

Robert Drijencic weiß seine Fähigkeiten auf dem Spielfeld durchaus einzusetzen. Sein starker Wurf gepaart mit einem gezielten Auge für den Mitspieler machen ihn zur Allzweckwaffe im Angriff auf der Guard-Position. Neben seinem Engagement in der Pro B steht er auch noch im erweitern Bundesligakader der EWE Baskets Oldenburg.

 

German Basketball Future: Robert, du bist zur JBBL-Zeit nach Oldenburg gewechselt, weil dein Vater ein Trainerangebot bekommen hat. Wie schwer fiel es dir, deine Freunde und die vertraute Umgebung zu verlassen?

Robert Drijencic: Natürlich fiel es mir schwer, meine Freunde in Krefeld nach 14 Jahren zu verlassen. Aber andererseits habe ich mich auch auf Oldenburg gefreut, weil Basketball hier etwas ganz anderes ist. Alles, wovon ich vorher noch in Krefeld geträumt habe, hatte ich plötzlich vor Ort: ein gut gecoachtes JBBL-Team, tägliches Training unter komplett anderen Bedingungen und eine Schule, die Basketballer unterstützt. Das alles hat mir den Abschied aus Krefeld deutlich erleichtert. Außerdem habe ich zu vielen Leuten immer noch Kontakt.

 

Wie lief für dich die schulische Umstellung? Gab es Probleme, zum Beispiel mit dem Unterrichtsstoff? 

Grundsätzlich hatte ich keine Schwierigkeiten. Nur Latein war etwas problematisch, weil ich vorher ganz andere Vokabeln gelernt hatte.

 

Du hattest in deinen Mannschaften in der NBBL und der JBBL immer einen extrem talentierten Kader. Trotzdem seid ihr immer kurz vor dem Top 4 gescheitert. Ist so etwas demotivierend oder spornt das nur zusätzlich an, in der nächsten Saison noch mehr Gas zu geben?

Das war natürlich bitter, weil wir zwei Mal hintereinander kurz vorm Top 4 gegen Alba Berlin ausgeschieden sind. Vor allem in meinem letzen NBBL-Jahr haben wir uns gute Chancen ausgerechnet und sind dann ganz knapp im entscheidenden Spiel gescheitert. Für mich ging es in der nächsten Saison in der Pro B zunächst mit einer ganz anderen Rolle weiter, wobei ich den Frust jedoch schnell in neue Motivation umwandeln konnte.

 

Dein Vater war in vielen deiner Mannschaften Head Coach. War es manchmal nervig, nach einem schlechten Training nach Hause zu kommen und nicht über den Coach lästern zu können?

Ja! Mein Vater hat immer darauf geachtet mich nicht bevorzugt zu behandeln. Deshalb habe ich auch mal eine Strafe oder Ärger vor der Mannschaft bekommen, wenn ich mich über etwas beschwert habe. Zuhause wurde dann aber nicht viel über Basketball geredet. Im Endeffekt bin ich aber dankbar für alles, weil es mir geholfen hat, mich zu verbessern.

 

Haben deine Teammates auch ab und an mal einen blöden Spruch losgelassen, weil sie sich selbst ungerecht behandelt fühlten?

Nein, es wurde höchstens mal aus Spaß etwas gesagt. Aber an einen ernsten Spruch kann ich mich nicht erinnern.

 

Zu Beginn der Saison wurde mit Haris Hujic ein weiterer junger Point Guard, zusätzlich zu dir und Armin Musovic, für die Pro B verpflichtet. Ihr teilt euch die Spielminuten und harmoniert gut auf dem Feld. Was war aber dein erster Gedanke, als du von dem Wechsel erfahren hast? Hast du dir Sorgen um deine Spielanteile gemacht?

Ich kannte Haris vorher schon und habe mich gefreut, dass er zu uns kommt. Als NBBL-MVP mit Pro A-Erfahrung wusste ich, dass er uns hilft und ich davon auch im Training profitieren kann. Da wir alle flexibel sind, von der Position 1 bis 3 alles spielen können, stehen wir auch meist zusammen auf dem Feld. Ich denke wir haben dieses Jahr gezeigt, dass man auch mit einem jungen Team ohne Amerikaner in der Pro B bestehen kann.

 

Du stehst momentan im erweiterten Kader der ersten Mannschaft. Wirst du versuchen in den nächsten Jahren dort anzugreifen und dir einen festen Platz zu erspielen?

Mein Traum ist es natürlich in der BBL zu spielen. Ich trainiere weiterhin hart und hoffe, dass es sich auszahlt.

 

Welche Fähigkeiten hast du vom Basketball gelernt, die dir auch im alltäglichen Leben von Vorteil sind?

Ich denke wie im Leistungssport, bin ich auch im Beruf sehr ehrgeizig und versuche alles so gut wie möglich zu machen.

 

Zusätzlich zu deinen Verpflichtungen in der Pro B in du eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Wie lässt sich das alles mit dem Training koordinieren?

Das zu koordinieren, ist nicht ganz einfach: Ich verlasse morgens um 7 Uhr das Haus und fahre zur Ausbildung, wo ich bis ca. 16.45 Uhr arbeite. Von da aus geht es quasi direkt zum Training. Zuhause bin ich dann meistens erst so gegen 21 Uhr. So lange Tage ohne viel Freizeit sind schon echt anstrengend, aber ich denke, dass ich das ganz gut hinbekomme. Das Kraft- und Wurftraining, was ich morgens durch die Ausbildung verpasse, versuche ich abends aufzuholen, um keinen großen Nachteil auf dem Spielfeld zu haben.

 

Wie unterstützen dich Verein und Arbeitgeber, um dir deinen Traum „Basketball“ zu ermöglichen? 

Bei der Arbeit darf ich einmal die Woche etwas später kommen und die Zeit hinten dran hängen, wenn ich vorher trainieren will. Im Prinzip bin ich aber selber dafür verantwortlich, meine Ziele zu erreichen.

 

War es deine Idee dies so zu verwirklichen, oder hat dir deine Familie hierbei „ins Gewissen“ geredet?

Bevor ich mich nach der Schule für die Ausbildung entschieden habe, habe ich mich natürlich von meiner Familie beraten lassen. Alles auf Basketball zu setzen wäre zu riskant, da man nie weiß, ob es klappt, wie lange man spielen kann und was danach kommt. Deswegen habe ich mich quasi jetzt schon dafür entschieden, ein zweites Standbein aufzubauen.

 

Dein Leben ist ziemlich durch Basketball bestimmt. Warst du schon mal an einem Zeitpunkt, wo dir alles zu viel wurde und du am liebsten gar nichts mehr mit Basketball am Hut haben wolltest?

Nein. Basketball macht mir Spaß und ist meine Leidenschaft. Wieso sollte ich dann darauf verzichten? Natürlich gibt es manchmal stressige Tage, aber beim Training vergisst man sowas und fühlt sich dann nach dem Training wieder besser als noch davor.

 

Beschreibe bitte Robert Drijencic abseits des Feldes.

Für jeden Spaß zu haben und immer lustig drauf.

 

Würdest du deinem früherem ich raten, wieder genau alles gleich zu machen? Und wenn du was ändern könntest, was wäre es?

Das ist eine schwere Frage, aber ich denke, dass ich bis jetzt nicht viel ändern würde.

 

Vielen Dank Robert!

 

 

Foto: Ulf Duda