Hannah Wischnitzki German Basketball Future

Hannah Wischnitzki kämpft für ihr Comeback

„Egal ob man zurück geworfen wird, man darf niemals aufhören, an sich zu arbeiten“

 

Hannah Wischnitzki hat früh mit dem Basketball begonnen, ihr enormes Talent wurde schnell sichtbar. Die zweimalige Nominierung für das Bundesjugendlager war die Belohnung für die harte Arbeit (Jahrgang ’93 und ’94). Durch ihre aggressive Verteidigung ist sie dem Gegner stets ein Dorn im Auge und sorgt mit ihrer ruhigen Art sowie ihrer Übersicht für Struktur im eigenen Team. Vor der Saison wechselte sie von den TG Neuss Tigers, wo sie mit Sarah Stock zusammenspielte, zum Barmer TV in die 2. Damen Basketball-Bundesliga. Die Euphorie hielt aber nur kurz: Gleich im ersten Spiel zog sich Hannah Wischnitzki einen Kreuzbandriss inklusive Meniskus- und Knochenverletzung zu. Seitdem arbeitet sie an ihrem Comeback.

 

German Basketball Future: Hallo Hannah, beschreibe bitte Hannah Wischnitzki abseits des Parketts.

Hannah Wischnitzki: Sie stellt sich auch abseits des Felds voll und ganz in den Dienst der Mannschaft. Für eine Frage gut ist sie allemal und Spaß haben kann man immer. Etwas Naivität ist dann das „i-Tüpfelchen“.

 

German Basketball Future: Du durftest zweimal zum Bundesjugendlager fahren. War die „Ehre“ beim zweiten Mal genauso groß? 

Hannah Wischnitzki: Die Ehre war beim zweiten Mal definitiv genauso groß. Allerdings war das zweite Bundesjugendlager nicht mehr nur zum „Schnuppern-und-mal-sehen-was-raus-kommt“, sondern eher ein „Ich-muss-abliefern“.

 

German Basketball Future: Was würdest du Spielern raten, die es nicht schaffen, in der Jugend in Auswahlteams zu spielen?

Hannah Wischnitzki: Auswahlteams sind natürlich eine gute Gelegenheit, sich mit Gleichaltrigen zu messen und zu sehen, wo man steht. Auch das Training auf einem hohen Niveau hilft einem, seine Fertigkeiten zu verbessern. Aber auch ohne diese Trainingseinheiten kann man es schaffen. Wenn man weiter hart an sich arbeitet und auch keine Zusatzeinheiten zu Hause oder im Park scheut, kann man es bis ganz nach oben schaffen und die Chance bekommen, sich mal bei einem Auswahllehrgang einer Jugendnationalmannschaft vorstellen zu dürfen.

 

German Basketball Future: Was hat dich während deiner Basketballkarriere bis jetzt am meisten beeinflusst – positiv sowie negativ? Was waren die einschneidenden Erlebnisse?

Hannah Wischnitzki: Ich glaube, das schlimmste Erlebnis war, als ich beim Leistungscamp in Bad Blankenburg nicht für den erweiterten Kader für die U16-Europameisterschaft nominiert wurde. Das war schon ein einschneidendes Ereignis und ich war bitter enttäuscht. Scheinbar war ich nicht gut genug gewesen. Möglicherweise war es für meine Entwicklung aber nicht so unglaublich negativ, so wie ich es damals empfand. Ich hab beide WNBL-Saisons, 2009/2010 und 2010/2011, zu Ende gespielt und keine Trainingseinheit sausen lassen. Es war schon mein Ziel, irgendwann mal an einer Jugend-Europameisterschaft teilzunehmen.

Nachdem meine Zeit in der WNBL abgelaufen war, wollte ich in Oberhausen in der Regionalliga Fuß fassen und in der Bundesliga-Mannschaft mittrainieren. Bei einem Vorbereitungswochenende mit der Erstligamannschaft von NBO 92 in Hamburg hat mich die damalige Trainerin Julia Gajewski dann gefragt, ob ich nicht komplett bei der ersten Mannschaft mitspielen möchte. Das war wirklich eine große Chance für mich und die habe ich auch genutzt. Ich habe super viel gelernt in dem Jahr und wir haben sogar 2012 den Deutschen DBBL-Pokal gewonnen. Gekrönt wurde es eigentlich dann mit der Teilnahme an der U18-B-Europameisterschaft im Sommer 2012.

 

German Basketball Future: Du kommst aus Düsseldorf, hast aber in deiner Schulzeit nicht immer in Düsseldorf Basketball gespielt. Wie gut ließ sich bei diesem Aufwand Schule, Freunde und Freizeit koordinieren und musstest du irgendwo Abstriche machen?

Hannah Wischnitzki: Das war schon ein riesiger Aufwand, aber meine Eltern haben mich immer super unterstützt. Meine Mama hat mich teilweise vier Mal die Woche nach Oberhausen gefahren. Aber mit der Schule ließ es sich eigentlich ganz gut vereinbaren. Freunde, besonders Schulfreunde, kamen häufig zu kurz. Ich glaube dieses Gefühl kennt jeder Leistungssportler, dass man irgendwann gar nicht mehr gefragt wird, ob man Lust hat irgendwas zu unternehmen, weil alle denken, dass man eh nie Zeit hat. Aber ich habe auch viele Freunde beim Basketball gefunden, mit denen ich heute noch eng befreundet bin. Zur Freizeit: Ich hatte viel Freizeit, aber die habe ich mit Basketball verbracht. Basketball war meine Freizeit.

 

German Basketball Future: Du studierst parallel Lehramt in Wuppertal. Lässt du auch mal ein Training wegen Prüfungsvorbereitungen oder Hausaufgaben sausen oder wird dann nach dem Training weiter gelernt?

Hannah Wischnitzki: Also ich bin überhaupt nicht der Typ, der mal ein Training sausen lässt. Wenn es natürlich gar nicht anders zu regeln ist, dann muss das sein. Aber zuerst versuche ich, alles andere, wie beispielsweise Nachtaktivität. Dazu muss ich auch sagen, dass ich mit viel Training viel disziplinierter bin. In den paar Stunden zu Hause bekomme ich dann auch wirklich etwas geschafft, bevor es zum Training geht.

 

German Basketball Future: Würdest du deinem früheren Ich raten, genau wieder alles gleich zu machen? Und wenn du etwas ändern könntest, was wäre es?

Hannah Wischnitzki: Das ist eine ziemlich gute Frage! Ich war immer sehr glücklich mit dem, was ich gemacht habe. Ich habe nach der einen Saison „Ausflug“ in der ersten Liga mich der Zweitliga-Mannschaft der TG Neuss angeschlossen, aus verschiedenen Gründen. Ich weiß nicht, wie alles gekommen wäre, wenn ich in Oberhausen geblieben wäre. Das überlege ich manchmal.

 

German Basketball Future: Was hast du noch für Ziele und Träume in deiner Basketballkarriere?

Hannah Wischnitzki: Unglaublich gerne würde ich mal eine Saison in einem anderen Land spielen, aber ich bin auch super zielstrebig, was meine berufliche Karriere angeht – wenn man bei Lehrern von Karriere sprechen kann. Das passt, glaube ich, nicht so gut zusammen. Aber wenn sich die Möglichkeit irgendwie ergeben sollte, eventuell wenn ich 2018 mit dem Master fertig bin, dann werde ich die Möglichkeit nutzen. Aber jetzt muss ich erstmal wieder fit werden, das ist der erste Schritt.

 

German Basketball Future: Möchtest du sonst noch etwas loswerden?

Hannah Wischnitzki: Egal, welche Art Rückschläge einen zurückwerfen, man darf niemals aufhören, an sich zu arbeiten, wenn man ein Ziel vor Augen hat. Wichtig ist es aber, realistisch zu bleiben und sich einen Plan B offen zu halten – das ist leider in der Regel die Schule/Ausbildung oder das Studium. Gerade als Leistungssportler ist man enorm von seinem Körper abhängig und wenn der mal nicht mehr will, dann bleibt uns oft nichts anderes übrig, als unseren Plan B Realität werden zu lassen. Vor allem an die Mädchen unter uns: Der Plan B ist alles! Ihr könnt euer Studium mit dem Basketball finanzieren, das ist definitiv möglich. Aber reich wird man in der Regel nicht und das sollte einem klar sein. Aber Basketball ist für mich immer noch das Beste, was mir je passiert ist.

 

German Basketball Future: Vielen Dank, Hannah!

Foto: Wolfgang Rommerskirchen