Johanna Häckel beendet ihre WNBL-Karriere mit dem Titel

Johanna Häckel German Basketball Future TS Jahn München WNBL 2. DBBL Bundesliga

„Jetzt wird es Zeit mir neue Ziele zu setzen“

 

Sie hat nicht nur die Fäden auf dem Spielfeld, sondern am Ende der Saison auch das Netz vom Ring gezogen. Nach drei Top 4 Teilnahmen in Folge hat Johanna Häckel mit der TS Jahn München den WNBL Titel gewonnen. Ganz nebenbei stand sie mit der Damenmannschaft zusätzlich auch noch im Finale der 2. DBBL Süd. 

German Basketball Future: Jojo, zum Anfang klassisch: Wie bist du zum Basketball gekommen?

Johanna Häckel: Durch meinen älteren Bruder. Er hat angefangen, Basketball zu spielen, bei Markt Schwaben. Ich bin immer zum Training mitgegangen und hab‘ dann auch relativ schnell angefangen, bei ihnen mit zu trainieren. Da war ich so ca. 7 Jahre alt, hab‘ dann dort in der U10 mit den Jungs trainiert. Über Kontakte ist mein Bruder zu der TS Jahn München gewechselt. Ich bin dann auch mitgekommen und spiele seitdem dort.

German Basketball Future: Wie vereinbarst du Basketball und Schule? Gerade in einer Saison, in der du mit der WNBL im Top 4 gespielt hast, mit der Damenmannschaft im Finale der 2. DBBL Süd gestanden bist , aber auch gleichzeitig in deinem letzten Jahr in der Schule bist und kurz vorm Abitur stehst.

Johanna Häckel: Es war schon ganz schön schwer. Ich war immer den ganzen Tag in der Schule, so bis halb 4, bin dann kurz nach Hause und hatte ein bisschen Zeit für mich. Vorm Training habe ich dann versucht, noch etwas für die Schule zu machen. Ich brauche immer grob eine Stunde für die Fahrt zum Training, sodass da viel Zeit verloren gegangen ist. Abends nach dem Training hab‘ ich mich dann wieder ran gesetzt.

Auf Auswärtsfahrten hab‘ ich dann auch versucht zu lernen, wobei das nicht so einfach ist, da man ja mit dem ganzen Team unterwegs ist und sich nicht so gut konzentrieren kann. Komplett abschotten möchte man sich aber auch nicht.

Nichts desto trotz hat es sich gelohnt. Den ganzen Aufwand für Basketball will ich ja auch betreiben. Klar, ist das manchmal nicht immer leicht, aber das hab‘ ich bewusst in Kauf genommen – auch wenn man auf Sachen verzichten muss.

German Basketball Future: Gab es den mal Momente, in denen du Basketball aufgeben wolltest oder dir vielleicht andere Sachen wichtiger waren?

Johanna Häckel: Nein, so richtige Momente gab es nicht. Aber es gibt natürlich Momente, in denen ich mich frage, warum und wofür ich das alles mache, ob es das alles wert ist, weil man schon einiges aufgibt. Aber Momente, in denen ich mir gesagt habe, dass war es jetzt, gab es definitiv nicht.

German Basketball Future: Was ist für dich das, wo du am meisten bereust, dass du darauf verzichten musstest?

Johanna Häckel: Das sind meine Freunde! Wenn man unter der Woche einfach keine Zeit für sie findet oder am Wochenende wieder absagen muss, weil man durch Deutschland tourt und Spiele hat. Das ist mir immer am schwersten gefallen.

German Basketball Future: Ihr standet jetzt 3 Jahre in Folge im WNBL-Top 4 und seid dieses Jahr nun Meister geworden. Woran hat es gelegen, dass es dieses Jahr geklappt hat?

Johanna Häckel: Ich denke, dass wir es dieses Jahr am meisten gewollt haben. Das war zumindest mein Gefühl. So sind wir als Team aufgetreten. Wir hatten diese Saison so viele Höhen und Tiefen, dass wir daraus viel gelernt haben. Auch aus den letzten beiden Jahren, wo wir im Top 4 immer Niederlagen einstecken mussten. Das hat uns gestärkt. Wir haben gelernt, wie wir mit dem Druck umgehen müssen, dass wir uns nicht hemmen lassen, auch wenn es dieses Jahr vor eigenem Publikum war.

German Basketball Future: Ihr hatten ziemliches Verletzungspech in der Saison. Insgesamt sind drei eurer Starter ausgefallen. Zwei davon bis zum Top 4, eine hatte im Finale ihr erstes Saisonspiel. Wie habt ihr die Ausfälle kompensiert?

Johanna Häckel: Das war wirklich krass! Es war nicht einfach, auch psychisch, zu wissen, dass dir drei Starter aus dem letzten Jahr fehlen. Aber unsere Rookies haben wirklich einen tollen Job gemacht! Haben Verantwortung übernommen und sind in die Bresche gesprungen. Wir haben eine Mentalität entwickelt, die sich positiv auf das Team ausgewirkt hat. Wir wussten, dass wir alle jetzt noch ein Stück mehr machen und arbeiten müssen, und das haben wir auch gemacht.

German Basketball Future: Mit Emily Bessoir und Leonie Fiebich hattest du in den letzten Jahren zwei extrem dominante Spielerinnen in deiner Mannschaft. Musstest du dich zurücknehmen oder dich auf andere Aspekte deines Spiels konzentrieren, obwohl du ja wahrscheinlich in den meisten anderen WNBL-Teams die erste Option im Angriff wärst?

Johanna Häckel: Nein, gar nicht! Ich spiele sehr gerne mit den beiden zusammen. Sie sind auch beide keine Spieler, die einem Spielanteile wegnehmen oder nur auf ihr Spiel achten. Wir haben sehr gut harmoniert auf dem Feld, und es hat immer diejenige den Wurf bekommen, die besser postiert war. Ich hab‘ eher von den beiden profitiert und habe auch viel gelernt. Mit Leo und Emmy auf dem Feld spiele ich deutlich besser als ohne sie.

German Basketball Future: Lassen wir mal außen vor, dass ihr jetzt diese Saison Meister geworden seid. Wie siehst du die Regeländerung, die die WNBL vor einiger Zeit aus einer U17- zu einer U18-Bundesliga gemacht hat?

Johanna Häckel: Ursprünglich dachte ich, dass die Änderung sinnvoll ist, dass es ja dann so gelegt ist, dass man gleichzeitig mit der Schule auch mit der WNBL abgeschlossen hat. Ich denke nur, dass die Umsetzung nicht so gelungen ist. Sehr viele Spielerinnen aus den älteren Jahrgängen haben diese Saison fast nur noch in den DBBL-Mannschaften gespielt. Natürlich sollten im besten Falle die Spielerinnen im ältesten Jahrgang im Stande sein, in den Damenmannschaften zu spielen. Nur da sehr viele Spielerinnen nicht in beiden Ligen gespielt haben, kam es schon zu einer Art Wettbewerbsverzerrung.

German Basketball Future: Jahn München ist im Damenbereich sehr stark aufgestellt – der Herrenbereich hinkt noch etwas hinterher. Denkst du, es wäre für den Damenbereich von Vorteil, einen stärkeren Herrenbereich zu haben?

Johanna Häckel: Das ist meiner Meinung nach kein Nachteil für den Damenbereich. Unser Herrenbereich ist momentan auf einem richtig guten Weg. Unsere JBBL ist leider einen Sieg vorm Top 4 ausgeschieden und auch sonst ist der Jugendbereich sehr gut aufgestellt. Natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn unsere Jungs dort regelmäßig im Top 4 stehen würden, gerade weil wir beim Jahn alle eine große Familie sind und jeder jeden anfeuert, egal welches Team. Das würde uns vielleicht auch helfen, da dort dann auch noch mehr Leute auf unseren Verein aufmerksam werden, was bei der Sponsorensuche natürlich von Vorteil ist. Aber ich denke nicht, dass wir dadurch einen Nachteil haben, nein.

German Basketball Future: Siehst du eine Veränderung in den Damen- und Jugendligen in den letzten Jahren?

Johanna Häckel: In der ersten Bundesliga sehe ich ein Problem, dass nur wenig junge deutsche Spielerinnen hinzukommen, da es keine Ausländerregelung mehr gibt, sodass es schwer für neue Spielerinnen ist, sich zu etablieren oder überhaupt den Schritt in die erste Liga zu schaffen und dann eher in der zweiten Liga bleiben. Allgemein denke ich aber, dass es einen Fortschritt gibt, was man allein daran sieht, dass mittlerweile jede Jugendnationalmannschaft in der A-Division spielt. Man kann einen positiven Trend erkennen.

German Basketball Future: Du warst diese Saison Teil des Damenteams, welches im Finale nur einen Sieg davon entfernt war, in die erste Liga aufzusteigen. Welche Rolle hatte Johanna Häckel im Team?

Johanna Häckel: Ich bin meistens von der Bank gekommen und habe versucht, Energie zu geben und dem Team zu helfen, wo ich konnte. Als nominelle Jugendspielerin wurde ich noch ans Team und die Liga herangeführt. Auch wenn ich gerade auf der Bank saß, hab ich mein Team supportet und angefeuert. Es war diese Saison manchmal noch ein bisschen schwer für mich, aber es wird immer besser, ich werde ruhiger und lasse das Spiel auf mich zu kommen.

German Basketball Future: Habt ihr vor der Saison mit so einem Erfolg gerechnet?

Johanna Häckel: Niemals! Unser Ziel war es eigentlich, nicht abzusteigen und die Klasse zu halten. Wir haben viele starke Spielerinnen verloren. Das es dann so kam, hätten wir vor der Saison nicht gedacht. Ich denke, dass es zu diesem Erfolg kam, lag daran, dass wir diese Saison ein super Teamgefüge hatten. Sowohl auf und abseits des Feldes haben wir uns super verstanden, alle konnten miteinander was anfangen und da war auch egal ob „jung oder alt“. Wir haben mega gekämpft!

German Basketball Future: Du bist frisch gebackener WNBL-Champ, Vize-Meister der 2. DBBL Süd, stehst im aktuellen 17er-Kader der U18-Nationalmannschaft und schreibst momentan dein Abitur. Wie geht es jetzt für dich weiter?

Johanna Häckel: Jetzt, wo die Saison fertig ist, werde ich mich voll auf mein Abi konzentrieren. Im Gegensatz zu meinen Schulfreunden hatte ich den letzten Monaten wenig Zeit, um mir groß Gedanken darüber zu machen, wie es jetzt weiter geht. Deswegen weiß ich es momentan nicht. Wahrscheinlich werde ich jetzt erst einmal ein Jahr Pause machen. Was in dem Jahr alles passiert und wie es danach für mich weitergeht, wird sich dann zeigen. Das lasse ich nach dem Abi auf mich zu kommen.

German Basketball Future: Was hast du noch für Ambitionen und Träume in deiner Basketballkarriere?

Johanna Häckel: Hättest du mich das vor einem Jahr gefragt, hätte ich dir gesagt, dass ich Deutscher Meister werden will und mich im Damenteam integrieren möchte. Diese Träume und Ziele haben sich jetzt für mich erfüllt. Jetzt wird es Zeit, mir neue Ziele zu setzen. Auf jeden Fall möchte ich mich noch weiter in der Zweiten Liga integrieren und mit der Zeit und kommenden Erfahrung zu einer Führungsspielerin heranreifen. Momentan bin ich erstmal sehr glücklich, dass meine früheren Ziele sich alle erfüllt haben.

German Basketball Future: Gibt es noch etwas, das du gerne loswerden möchtest?

Johanna Häckel: An die jungen Spieler: Lasst euch nicht unterkriegen! Egal welche Hürden euch im Weg stehen, wenn ihr Ziele habt und hart dafür arbeitet, dann werdet ihr sie auch erreichen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich immer großartige Coaches an meiner Seite hatte, die mir geholfen haben, zu der Spielerin, aber auch zu dem Menschen zu werden, der ich jetzt bin. Meine Teammates, mit denen ich mittlerweile mehrere Jahre zusammenspiele, sind so etwas wie meine zweite Familie für mich. Sie waren immer ein Ansprechpartner für mich. Mit solchen Leuten an deiner Seite ist ganz viel möglich.

German Basketball Future: Vielen Dank, Jojo!

Foto: Florian Ullbrich