Julian Albus German Basketball Future

Julian Albus, der Arbeiter auf dem Feld

„Für mich war immer klar, dass ich kein Go-to-Guy werde“

 

Julian Albus schaffte den Schritt vom durchschnittlichen Basketballer hin zum A2-Nationalspieler – durch Einsatz und Einstellung. Seine jahrelange, harte Arbeit zahlt sich nun aus: Julian Albus hat sich ein Standing erarbeitet. Das war nicht immer so. Lange Zeit flog er unter dem Radar – bis zu seinem Durchbruch 2013. Wie so einige vor ihm ist er den Gang in die Pro A angetreten, um dort mit den White Wings Hanau für Furore zu sorgen. Sein Season-High erzielte er gegen Justin Hedley und die Kirchheim Knights. Er besticht durch seinen Arbeitswillen in der Defense sowie seinen Dreier in der Offense.

 

German Basketball Future: Julian, du hast es über jahrelange Arbeit geschafft, wovon viele nur träumen: den Sprung aus der Jugend in die Rotation der Bundesliga-Mannschaft – im eigenen Verein. Wie hat sich das angefühlt?

Julian Albus: Das war ein ausgesprochen genugtuender Lohn für viel harte Arbeit. Ich habe über mehrere Jahre hinweg alles meinem Ziel, in der Bundesliga Fuß zu fassen, untergeordnet. Nachdem ich dann regelmäßige Einsätze bekommen habe, war ich natürlich schon sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Aber es hat mich auch hungrig gemacht auf mehr.

 

German Basketball Future: Währenddessen hast du deine Schule absolviert und danach in Tübingen angefangen, Sport zu studieren. Wie ließ sich das alles unter einen Hut bringen? Haben Verein und Uni miteinander kooperiert und dir den Schritt hin zum Studium erleichtert?

Julian Albus: In meinem ersten Bundesligajahr habe ich Abitur gemacht. Das war eine sehr große Belastung und meine Freizeit hat schon sehr darunter gelitten. Allerdings war ich bereit, das in Kauf zu nehmen. Glücklicherweise bin ich danach in das Spitzensportler-Förderprogramm gekommen. Dadurch hatte ich einige Vorzüge im Studium: z.B. wurden bestimmte Prüfungsfristen verlängert, oder hatte ich auch teilweise mehr Fehlstunden, aufgrund meiner zeitlich begrenzten Möglichkeiten. Nach dem 3. Semester habe ich mich aber dafür entschieden, mein Studium erst einmal zu pausieren, um mich völlig auf meine professionelle Basketball-Karriere zu konzentrieren.

 

German Basketball Future: Wann hast du vor, weiter zu studieren?

Julian Albus: Mittlerweile bin ich soweit, dass ich bereit bin mein Studium wieder aufzunehmen. Ich möchte auch im Sportbereich bleiben, jedoch habe ich mir bereits überlegt, meinen Schwerpunkt zu wechseln und im Bereich des Journalismus mein Studium fortzusetzen. Aber wann, wo und wie genau das ausehen wird, hängt natürlich stark davon ab, wo ich in Zukunft Basketball spielen werde und ob vorort eine Möglichkeit besteht, weiter zu studieren, oder ich einen anderen Weg finden muss.

 

German Basketball Future: Gab es Momente, in denen du alles hinschmeißen wolltest? Schule, Studium oder gar Basketball?

Julian Albus: Klar, so eine Doppelbelastung ist nicht einfach und es kommen immer wieder Punkte, an denen man denkt, an seine Grenzen zu stoßen. Ich habe mein Studium vorerst unterbrochen, weil ich mich damals nur auf meine Profi-Karriere konzentrieren wollte und sich für mich die Option, Basketball hauptberuflich auszuüben, wirklich eröffnete. Mir war aber immer bewusst, dass ich eines Tages wieder die Schulbank drücken werde, um eine optimale Grundlage für die Karriere nach der Karriere zu haben.

 

German Basketball Future: In der Jugend wurdest du nie für die Nationalmannschaft nominiert. Wie wichtig ist es, dort gespielt zu haben, um in der BBL Fuß zu fassen?

Julian Albus: Ich denke schon, dass es für junge Spieler von Vorteil ist, wenn man in der Jugend schon an Nationalmannschafts-Lehrgängen teilnimmt. Allein aus dem Grund, weil man dann auf dem Radar der Trainer ist. Allerdings sollte man sich nicht beirren lassen, wenn man in keiner Jugendnational-Mannschaft spielt. Ich war auch ein Spieler, der sich erst spät entwickelt hat und dadurch erst mit 22 das erste Mal den Bundesadler auf der Brust tragen durfte. Zum einen, weil ich noch in der NBBL auf der Center-Position gespielt habe und dafür einfach zu klein und schmächtig war, um auf Bundesebende konkurrieren zu können. Zum anderen, weil ich erst, nachdem ich bei den Profis mittraineren durfte, wirklich begriffen habe, was es bedeutet, gezielt an seinem Spiel zu arbeiten.

 

German Basketball Future: Im Sommer 2014 wurdest du zur A2-Nationalmannschaft eingeladen und durftest die Universiade mitspielen. Wie war es dort? Was war dein größtes Highlight?

Julian Albus: 2014 wurde ich zum ersten mal zur A2-Nationalmannschaft eingeladen. In diesem Jahr haben wir 2 Turniere in China gespielt und waren dort insgesamt für 14 Tage. Naürlich war es eine große Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen und eine weitere Belohnung für mich für das viele Training, dass ich die Jahre hindurch absolviert habe. Im Jahr darauf wurde ich nach dem ersten Lehrgang nachnominiert. Ich musste dann aber als letzter das Team vor der Universiade, auch auf eigenen Wunsch hin, verlassen, weil ich eigentlich schon nach Ende der Saison, also Anfang Mai, eine Operation an meinem rechten Sprunggelenk hätte durchführen müssen. Ich wollte aber den Sommer hindurch noch trainieren und eventuell die Universiade mitspielen. Allerdings musste man die Operation dann doch recht zeitnah durchführen, weil die Gefahr, dass die Verletzung schlimmer werden würde, dann doch zu groß war.

 

German Basketball Future: Nach 10 Jahren hast du deine Heimat und die Tigers verlassen. Was waren deine Beweggründe, nach Hanau in die Pro A zu wechseln?

Julian Albus: Nachdem ich mir im vergangenen Jahr einen Mittelfußbruch zugezogen hatte und ich über die Hälfte der Saison verpasst habe, war es schwierig für mich – auch bedingt durch einen Trainerwechsel, während ich verletzt war – erneut feste Rotationsminuten zu bekommen. Als dann im Sommer darauf mir von Vereinsseite signaliert wurde, dass ich auch kommende Saison womöglich keine größere Rolle im Team bekommen werde, war für mich klar, dass ich einen Neustart bei einem neuen Verein brauche: bei dem ich mich nach meiner Verletzungszeit wieder zurück kämpfen und mich weiterentwickeln kann. Da es für mich in der BBL keine vernünftige Option gab, entschied ich mich dafür, nach Hanau in die Pro A zu wechseln.

 

German Basketball Future: Wie schnell hast du dich dort eingelebt? Haben dir deine ehemaligen Teamkollegen Ruben Spoden und Till-Joschka Jönke dabei „geholfen“, dich schneller wohl zu fühlen?

Julian Albus: Ich habe mich recht schnell eingelebt. Ich wurde hier sehr gut aufgenommen und sofort eine sehr familiäres Verhältnis aufgebaut. Klar, war es von Vorteil, dass zwei meiner neuen Teamkollegen schon alte Weggefährten von mir waren. Dadurch hat sich unserer Zusammenspiel, als Team auf dem Feld, auch sehr schnell weiterentwickelt.

 

German Basketball Future: Was vermisst du am meisten an deiner Heimat?

Julian Albus: Tübingen als Stadt an sich. Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt. Und natürlich meine Familie.

 

German Basketball Future: Wie groß schätzt du den Sprung aus der Pro A in die BBL für einen jungen deutschen Spieler? Kann man als Pro A-„Star“ 15  bis 20 Minuten in der BBL bekommen?

Julian Albus: Was man als junger Spieler, der aus der Pro A in die BBL wechselt, wissen muss, ist, dass man zumeist nur eine kleinere Rolle in einem BBL-Team einnehmen wird. Das heißt, nicht jeder Angriff läuft über einen selbst, oft muss man sich zunächst einmal beweisen, dem Trainer und den Mitspielern gegenüber, und man muss bereit sein, „Dirty Work“ zu verrichten: z.B. Rebounding, gute Defense, Hustleplays. Ich glaube damit haben viele Spieler Probleme, plötzlich die meiste Zeit „off ball“ zu agieren und nicht mehr so oft den Ball in der Hand zu haben.

Daher ist meiner Meinung nach für manche Spieler der Sprung in die erste Liga doch größer, als sie denken, auch wenn sie das Talent dazu hätten. Ich denke, dass es für viele Spieler nicht eine Frage des Könnens, eher eine Frage des Mindsets ist, ob man in der BBL oder Pro A spielt. Oft wird von Rollen gesprochen und dadurch ist es auch wichtig, inwiefern man eine Rolle ausfüllen kann. 

Für mich war beispielsweise immer klar, dass ich kein Go-to-Guy werde, weil ich einfach nicht das nötige Skillset dafür habe, zumindest auf hohem Niveau. Darum habe ich schnell versucht, mich so gut es geht zu spezialisieren und dadurch eine gewisse Rolle auszufüllen. Und wenn man sich in der BBL umschaut, ist zu beobachten, dass die meisten deutschen Spieler eben genau solche Spots in ihren Teams einnehmen. 

 

German Basketball Future: Beschreibe doch in ein paar Sätzen Julian Albus abseits des Feldes. Was machst du so in deiner Freizeit?

Julian Albus: Da ich die Zeiten, in denen man zu Hause rum hängt, Playstation zockt und auf das nächste Training wartet, hinter mir habe, versuche ich viel zu lesen und mich weiterzubilden. Ansonsten unternehme ich gerne etwas mit einem Teamkollegen und versuche, viel draußen zu machen. 

 

German Basketball Future: Möchtest du den Lesern eine Botschaft mitgeben?

Julian Albus: Für mich war immer die wichtigste Erkenntnis, dass ich – egal wann, egal wo – immer Bock auf Basketball hatte. Ich wollte jeden Tag besser werden und was neues dazu lernen. Das war früher so und das ist es heute auch noch. Klar, gibt es auch im Sport immer mal wieder Zeiten, in denen nicht alles optimal läuft und man am liebsten alles hinschmeißen würde, aber auch in diesem Punkt war Basketball immer mein bester Lehrer.

Ich habe dadurch viele Lebenserfahrungen sammeln können, die ich auch immer auf das Leben abseits des Feldes projizieren konnte, egal, ob es dabei um den Umgang mit Sieg und Niederlage ging, was es bedeutet, hart und fokussiert auf ein Ziel hinzuarbeiten und das dann auch zu erreichen, oder was Teamwork ausmacht. Klar, musste ich dadurch auch in meiner Jugend schwere Entscheidungen treffen und einige Opfer bringen, allerdings bereue ich keinen meiner Schritte, denn schließlich haben sie mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Deswegen rate ich jedem jungen Baller: Nutze den Sport und die Erfahrungen, die du dadurch machst! Sei zielstrebig, gib‘ immer 100% und lass‘ dich nicht von Rückschlägen unterkriegen. Im Basketball will man möglichst jedes Spiel gewinnen und deswegen sollte es auch dein Anspruch sein, bei jeder Klassenarbeit oder Prüfung das Ding zu rocken und ein gute Note zu schreiben. Brenne darauf, jeden Tag etwas neues zu lernen und wissbegierig zu sein. Setze einen hohen Standard an dich selbst und versuche, jeden Tag das Maximale aus dir herauszuholen. Dann wirst du nämlich auch erfolgreich sein, egal ob mit dem Spalding in der Hand oder im wirklichen Leben.

 

German Basketball Future: Vielen Dank, Julian!

Foto: Markus Rosemann