Kirchheim Guard Justin Hedley spricht mit GBF

„Ich dachte, ich brauche länger, um mir die Spielzeit zu erkämpfen“

 

Justin Hedley hat für seinen Traum, Basketball-Profi zu werden, alles investiert. Die ersten Früchte erntet er nun bei den Kirchheim Knights. Er verließ seine Heimat München und den Luxus, 5 Minuten von seiner Trainingsstätte entfernt zu wohnen, um im zweiten Oberhaus Deutschlands den Sprung zu den Profis zu schaffen.

 

German Basketball Future: Justin, du spielst momentan in der Pro A. Bitte erklär doch, was dein akademischer Plan neben dem Basketball ist?

Justin Hedley: Ich habe 2015 mein Abitur in München gemacht und will auf jeden Fall noch studieren. Ich spiele aber im Moment nur Basketball. Was das Studium angeht gibt es noch einige Sachen, die ich mit mir selber klären muss. Wann, wo, welches Fach usw..

 

In deinem ersten Pro A Spiel hast du direkt den Game Winner getroffen. Hättest du gedacht, dass dein Coach dir im ersten Spiel bereits so viel Vertrauen schenkt?

Wenn du mich vor der Saison gefragt hättest…… auf keinen Fall. Ich habe aber in der Preseason schon gemerkt, dass ich wirklich ein Teil der Rotation sein werde. Dass ich in der Crunch-Time spielen durfte und dann auch noch in letzter Sekunde den Ball bekommen habe, war aber dann doch ziemlich überraschend.

 

Hättest du vor der Saison gedacht, dass du die Rolle im Team haben wirst, die du jetzt innehast? Und beschreibe doch bitte deine Rolle im Team.

Ich dachte auf jeden Fall, dass Ich länger brauche, um mir die Spielzeit zu erkämpfen. Da ich ein sehr harter Arbeiter bin, habe ich aber schon damit gerechnet, Spielzeit in dieser Saison zu bekommen. Ich versuche immer, wenn ich auf dem Parkett stehe, der Mannschaft Energie zu geben und vor allem in der Defense das Spiel zu beeinflussen.

 

Du bist in deiner Jugend nie zum „Großen Münchner Verein“ – den Bayern – gewechselt. Denkst du, dass Erfolg grundsätzlich einfacher zu erreichen ist, wenn man eine größere Struktur im Verein um sich herum hat? Du hast es ja in einem „kleinen“ Verein geschafft.

Es macht es in dem Sinne einfacher, dass man eher von der Nationalmannschaft oder ähnlichem gesichtet wird und der Name schon mit Professionalität und einer guten sportlichen Ausbildung in Verbindung gebracht wird. Aber letztendlich geht es dann doch darum, wie gut man auf dem Feld ist. Ich hatte bei Schwabing ein sehr gutes Umfeld und habe viel über Basketball gelernt.

 

Wie groß war die Umstellung vom Regionalliga Basketball zum ProA Basketball? Vor allem für dich persönlich, wo du jetzt nicht mehr einer der ersten Scoringoptionen deiner Mannschaft bist?

Es war eine große Umstellung. Vor allem, dass man sich auf dem Feld keine Auszeit nehmen kann. Es geschieht deutlich mehr abseits des Balles in Offense und Defense. Man kann sich also nie entspannen, jeder Fehler wird bestraft. Was mich persönlich angeht, habe ich keine Probleme damit, den Ball weniger zu sehen. Ich versuche einfach die Chancen zu nutzen, die ich bekomme.

 

Du hättest es fast, als ein in Deutschland lebender Engländer, in die englische Jugendnationalmannschaft geschafft. Was waren die größten Hürden, um dies zu schaffen? Wie oft haben dich die Coaches der Nationalmannschaft wirklich gesehen? Was würdest du Spielern in einer ähnlichen Situation empfehlen?

Es war schwierig, sich in eine Mannschaft zu integrieren, die schon länger in der Konstellation zusammengespielt. Ich bin beide Male erst relativ spät zu den Vorbereitungscamps gefahren, weil es schwierig war, so oft hin- und herzufliegen. Besonders, da die Schule und die Saison in Deutschland nicht mit den Terminen in England abgestimmt waren. Ich würde allen empfehlen, die Erfahrung mitzunehmen und trotz der erschwerten Bedingungen das Beste zu geben. Ich denke, man lernt dadurch viel.

 

Die letzten Jahre hast du hauptsächlich unter Robert Scheinberg verbracht. Wie schnell hast du dich auf den neuen Coach einstellen können?

Ich hatte da eigentlich kaum Probleme.

 

Vermisst du es, in München Basketball zu spielen, Freunde und deine Familie zu sehen?

Familie und Freunde sind mir sehr wichtig, das fehlt mir natürlich sehr.  Ich habe mich aber hier in Kirchheim gut eingelebt, und wenn ich mal wirklich nach München will, sind es auch nur 180 Kilometer.

 

Beschreibe bitte Justin Hedley abseits des Basketballes.

Ich bin gerne unter Leuten. Bin eigentlich immer mit engen Freunden und meiner Familie und versuche möglichst viel zu erleben.

 

Würdest du deinem früheren ich raten, wieder genau alles gleich zu machen? Und wenn du was ändern könntest, was wäre es?

Ich hätte mir auf jeden Fall geraten, früher auf meinen Körper zu hören und Verletzungen vorzubeugen.

 

Vielen Dank Justin!

 

Foto: Tanja Spindler