Luca Burkardt German Basketball Future

Luca Burkardt vom FC Bayern München Basketball

„Ob es hier zu schaffen ist? Aber versuchen möchte ich es!“

Luca Burkardt, ein Jung-Profi beim großen FC Bayern München Basketball. Er ist aus der NBBL-Meister-Saison direkt weiter marschiert und hat mit dem FCBB II den Aufstieg in die Pro B realisiert. Nun steht er mit einem Bein im Profi-Geschäft, mit dem anderen mitten im Studium. Der Spagat zwischen das Hobby zum Beruf machen und eine vernünftige Ausbildung zu durchlaufen ist nicht leicht. Er gibt uns Einblicke in sein alltägliches Leben und wie er diese Hürden alle zugleich meistert.

German Basketball Future: In deiner Jugend hast du bereits beim FC Bayern gespielt, wohnst aber eigentlich außerhalb von München. Wie hast du das ganze Training mit Schule, Freunden etc. koordiniert? Musstest du irgendwo Abstriche machen?

Luca Burkardt: Mittlerweile spiele ich seit acht Jahren beim FC Bayern, davon habe ich sieben Jahre noch komplett bei meinen Eltern in Geretsried gelebt. Da waren Fahrtzeiten von eineinhalb bis zwei Stunden mit den Öffentlichen normal. Trotzdem fiel mir die Entscheidung ziemlich leicht, da der FC Bayern für mich schon immer eine wahnsinnige Anziehungskraft hatte und es mir alles bedeutet hat, die Möglichkeit zu bekommen, hier zu spielen. Glücklicherweise empfanden meine Schulfreunde das genauso und hatten deshalb immer Verständnis dafür, wenn ich mal keine Zeit hatte. Schulfreunde habe ich in der Schule gesehen, Basketballfreunde beim Training und bei Spielen. Nach meinem Abi 2015 hat es sich sowieso sehr schnell so ergeben, dass meine Freunde hauptsächlich in der Mannschaft und im Basketball zu finden sind.

Deine letzten Jahre waren sehr erfolgreich. NBBL-MeisterschaftAufstieg in die Pro B mit der Herren 2 des FCBB. Wie bleibt man als Team motiviert, um weiter erfolgreichen Basketball zu spielen, z.B. mit euren sechs Siegen bei nur einer Niederlage in der Liga? Weshalb seid ihr dann in ein Loch gefallen?

Den Erfolg haben wir wohl hauptsächlich unseren Trainern und unserer harten Arbeit zu verdanken. Als Team motiviert zu bleiben fällt einem da ziemlich leicht. Wenn man einmal sieht, dass die Arbeit Früchte trägt und man an der Spitze war, will man unbedingt wieder dort hin. Das Gefühl ist unvergleichlich. Der Start in die Pro B war unerwartet erfolgreich, sechs Siege und nur eine knappe Niederlage unter erschwerten Bedingungen, so hätte es weiter gehen können. Allerdings fehlt uns (mit einem Altersdurchschnitt von 18 Jahren) einfach noch die Erfahrung, weshalb wir es in knappen Spielen leider nicht geschafft haben, das Zepter in die Hand zu nehmen. Und leider ist es viel leichter in ein Loch zu fallen, als da wieder herauszukommen. Deshalb tun wir uns immer noch etwas schwer, aber ich hoffe, dass wir es mit unseren Trainern und unserer harten Arbeit, wie schon in den letzten Jahren, trotzdem schaffen und eine Rolle in den Playoffs spielen können.

Nachdem ihr letztes Jahr in die Pro B aufgestiegen seid, war es von Anfang an klar, dass du in München bleibst, oder hätte es bezüglich Basketball und/oder Studium andere Optionen gegeben?

Mir war das keineswegs von Anfang an klar! Zwar war mein Wunsch schon beim FCBB zu bleiben, allerdings war meine Einsatzzeit im letzten Jahr in der Regionalliga nicht gerade hoch. Nach einer Anfrage von meinem ehemaligen Trainer hatte ich auch kurzzeitig überlegt, Regionalliga in der zweiten Mannschaft eines größeren Clubs im Schwabenländle zu spielen. Allerdings schien mir München und die ProB doch die beste Wahl. Rückblickend war das die richtige Entscheidung, da ich hier jetzt sogar Starter meiner Mannschaft bin und ich deutlich mehr Spielzeit kriege als letztes Jahr in der zweiten Mannschaft (auch wenn meine Leistung bis zu den Playoffs hoffentlich noch besser wird).

Hatte dein aktueller Trainer Einflüsse auf deine Entscheidung?

Definitiv! Nach einigen Einzelgesprächen mit unserem Trainer Oliver Kostic hat sich ganz klar herausgestellt, dass er auf uns junge Spieler setzt und mich unbedingt im Kader behalten will und mir die Chance und Einsatzzeit gibt, die für die Entwicklung junger Spieler wichtig ist. Außerdem ist unser Trainergespann Kostic & Greene wahrscheinlich das Beste, das du in Deutschland finden kannst.

Wann hast du die Entscheidung getroffen, Lehramt zu studieren? 

Das war schon relativ früh, glaube ich. Als ich 15 war müsste das gewesen sein. So richtig sicher war ich mir dann letztes Jahr, als ich beim FC Bayern ein FSJ absolviert habe und viel mit Kindertraining zu tun hatte.

In deiner Mannschaft bist du einer der einzigen Spieler, die nebenbei studieren bzw. eine Ausbildung machen. Wie sehr unterstützt dich der FC Bayern bei deinem Studium und musst du manchmal auf ein Vormittagstraining verzichten?

Die Unterstützung vom FCBB lässt nicht zu Wünschen übrig. Dieses Semester musste ich aber leider fast immer auf das Vormittagstraining verzichten, da meine Kurse meist in der Früh waren. Ich hoffe das wird im kommenden Semester anders.

Wie groß erwartest du die Anstrengung, alles so weiterlaufen zu lassen, wenn du nächstes Wintersemester Geschichte und Sport hinzunehmen wirst?

Das wird mit Sicherheit extrem. Drei Fächer sind schon wahnsinnig viel. Allerdings bin ich es ja gewöhnt, so viel Aufwand zu betreiben und ich kann immer ganz gut abschätzen, welche Kurse wichtig zu besuchen sind und welche nicht. Außerdem mache ich ja beides gerne, da ist es die Anstrengung schon wert.

Reicht der Verdienst, um für Kosten während deines Studiums aufzukommen? Sind die Anstrengungen in der Uni auf dem aktuellem Stand zu bleiben es wert?

Ich habe viel Glück, dass mich sowohl Verein als auch meine Eltern vollkommen unterstützen. Ich habe zwar aufgrund des vielen Trainings nicht die Möglichkeit zu arbeiten, allerdings nehme ich bei meinem Verein als Trainer bei seinem SAG Programm teil und verdiene dabei etwas dazu. Außerdem unterstützen mich meine Eltern so gut sie es können (sowohl finanziell als auch mental).

Was ist dein Plan basketballerisch? Versuchst du, bei den Bayern in den Erstliga-Kader zu rutschen, mittrainieren im Sommer durftest du ja schon. Oder fokussierst du dich mehr auf dein Studium? 

Besonders nachdem ich im Sommer für ein paar Trainingseinheiten bei der Ersten dabei war ist die Motivation schon hoch. Mal im Profikader zu stehen und in einer großen ausverkauften Halle zu stehen und zu spielen ist definitiv mein Traum und mein Plan. Wenn das beim FC Bayern geht wäre das natürlich das Größte. Ob es hier zu schaffen ist für mich ist die andere Sache, aber versuchen möchte ich es auf alle Fälle. Das Studium versuche ich möglichst gut hinzubekommen, es soll ja meine Absicherung sein, sollte es mit dem Basketball überhaupt nichts werden.

Keimte in dir bereits der Gedanke auf, Basketball sein zu lassen und nur das Leben eines Studenten zu genießen? Oder würde dir es fehlen, Jungprofi zu sein?

Sowohl so als auch. Zwischenzeitlich habe ich überlegt, das Studium abzubrechen, um mich voll und ganz aufs Basketball zu konzentrieren, da jetzt die wichtigsten Jahre für meine Entwicklung kommen und ich schon gerne ausprobieren würde, wie weit ich es schaffen kann. Allerdings habe ich auch, wie schon die Frage lautet, mal überlegt Basketball sein zu lassen, da meine Chancen Lehrer zu werden wohl höher sind. Allerdings denke ich, dass die Mischung perfekt ist und ich es bei beidem versuche, möglichst viel zu erreichen. Da habe ich auch ein Vorbild in meinem Mitspieler Tobias Korndörfer, der sowohl Basketball auch als Studium perfekt zusammen unter den Hut gebracht hat. Nach acht Jahren als Bayern Basketballer wäre es wohl die komischste Sache der Welt, auf einmal kein Jungprofi mehr zu sein.

Beschreibe bitte Luca Burkhardt abseits des Basketballfelds!

Abseits des Felds bin ich ähnlich wie auf dem Feld. Ich bin gern mit anderen Leuten zusammen, seien es meine Freunde, Familie oder meine Freundin. Ich bin sehr hilfsbereit, lasse aber auch gerne mal den ein oder anderen blöden Spruch und mache gerne mehr oder weniger gute Witze, gehe gerne ins Kino und auf Konzerte. Wenn ich allein bin schau ich am liebsten fern, lese oder höre Musik und bin in sozialen Netzwerken aktiv.

Würdest du deinem früheren Ich raten, genau wieder alles gleich zu machen? Und wenn du was ändern könntest, was wäre es?

Das einzige was ich meinem früheren Ich raten würde anders zu machen, ist öfter mal den Kraftraum zu besuchen. Sonst bin ich eigentlich ganz zufrieden.

Was du sonst noch so sagen möchtest…

An alle (genau so wie ich) jungen Spieler und Spielerinnen: Man sollte immer für seine Träume und Wünsche kämpfen und alles geben. Ich glaube, dass es jeder schaffen kann, wenn er nur genug investiert, genug Disziplin hat und immer dran bleibt. Trotzdem ist es extrem wichtig die Schule gut zu absolvieren, damit ihr euch andere Optionen offen halten könnt.

 

Vielen Dank Luca!

 

 

Foto: Matthias Stickel