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RheinStars Köln-Guard Leon Baeck im Interview

„Ich wollte wie ein normaler Spieler behandelt werden“

 

Leon Baeck ist mit seinen 20 Jahren schon ein Kölner Urgestein. Im Sommer wurde er nun für die U20-EM nominiert. Nach einer langwierigen Verletzung versucht er sich nun wieder bei den RheinStars Köln in der Pro A durchzusetzen. 

 

German Basketball Future: Leon, deine ganze Familie hat Basketball gespielt: Mama, Papa, Tanten, Onkel und Cousins. Wie bist du zu dem Sport gekommen?

Leon Baeck: Ich bin ja quasi in der Halle groß geworden und hab noch das Karriereende von meinem Dad mitbekommen. Da hat man ja automatisch Kontakt mit dem Sport. Es gibt jetzt aber keine besondere Geschichte wie ich angefangen habe. Mein Cousin hat in der U10 Basketball gespielt und ich bin dann mit sieben oder acht Jahren einfach mal mitgegangen. 


Wolltest du auch mal einen anderen Sport machen?

Ich habe mit elf Jahren zusätzlich auch noch Fußball gespielt für ein paar Wochen. Es hat mir auch Spaß gemacht, aber Basketball hat mir schon mehr Bock gemacht. Danach eigentlich nicht mehr, ich war mit Basketball immer sehr zufrieden.


Gab es mal einen Zeitpunkt, an dem du keine Lust mehr auf Basketball hattest?

Zum Ende meines letzten U14 Jahres, hatte ich ein kurzes Tief, wo ich nicht so mega Bock auf Basketball hatte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade Knieprobleme, was ganz gut gepasst hat. Als meine Knieprobleme dann vorbei waren, hatte ich auch wieder Bock zu zocken.


Ab dem Sommersemester wirst du anfangen zu studieren. Wie ist das mit dem Training zu vereinbaren?

Ja genau, ich werde im Sommersemester anfangen, Englisch und Geographie auf Lehramt zu studieren. Ich hab mich bewusst dafür entschieden, mein Studium im Sommersemester zu beginnen, da ich im Sommer aufgrund der Spielpause mehr Zeit habe für meine ersten Prüfungen und so hoffe besser in den Uni-Rhythmus reinzukommen. Ich muss trotzdem gucken, wie ich Uni und Basketball unter einen Hut kriege, bin aber ziemlich positiv, dass ich das koordiniert bekomme. 


Hattest du schon Gespräche mit deinem Verein, wo du jetzt dein Studium anfängst?

Nein das jetzt nicht, aber ich sehe ja an meinen Mitspielern wie es so läuft. Tim van der Velde, Lennart Steffen und Robin Christen zum Beispiel studieren auch. Sie setzen, vor allem in der Prüfungsphase oder wenn sie eine Klausur haben, Individual- oder Krafttraining oder auch mal ein Optional-Shooting aus. Generell müssen sie aufgrund des Trainings fast keine Vorlesung verpassen. 


Deine Mutter ist Lehrerin. Wie sehr hat sie dafür gesorgt, dass bei all dem ganzen Training, was du in Jugendzeiten schon abgerissen hast, die Schule nicht zu kurz kommt?

Meine Mom hat schon drauf geachtet, dass die Schule nicht zu kurz kommt. Sie hat mir, auch nach dem Training noch in den Allerwertesten getreten, die Hausaufgaben zu machen.


Du spielst seit vielen Jahren schon mit den gleichen Teammates, die dich seit der Jugend jetzt bis hoch in die Pro A begleitet haben. Wie sehr zeigt sich das auf und neben dem Spielfeld?

Das ist echt super. Ich mache mega viel mit den Jungs auch außerhalb des Trainings. Gerade gestern bin ich nach dem Training mit Antonio Pilipovic noch ins Nike Outlet gefahren. Es ist auch nicht so schlimm, wenn man dann mal keine Zeit hat, weil man seine Freunde dann ja im Training sieht. Ich bin auch komplett auf einer Wellenlänge mit den Jungs, weil wir durch den Basketball natürlich die selben Interessen habe. Auch auf dem Spielfeld hat das natürlich Vorteile, wir sind ja komplett blind eingespielt. Ich weiß ganz genau, wie die anderen sich bewegen und was sie machen. In der zweiten Mannschaft stehen wir ja auch alle viel zusammen auf dem Feld, da ist das schon super, wenn man genau weiß, was auf dem Feld abgeht.

 

Du hast in der U16 und U18 nicht für die Nationalmannschaft gespielt, in der U20 jedoch schon. Warum, denkst du, hat es in der U20 für dich geklappt?

Ich habe mich sehr über meine Nominierung gefreut. Ich denke, dass war der Lohn für meine harte Arbeit. Ich bin letztes Jahr fit aus der Saison gekommen und stand zuerst nur auf der Ersatzliste. Dann wurde ich für einen Lehrgang nachnominiert und denke, es war ganz gut, was ich da gemacht habe, und dann wurde ich zur EM mitgenommen. Ich denke, früher in der U16 und U18 konnte ich meine Vorteile, wie zum Beispiel meine Athletik, einfach auch noch nicht so gut nutzen. Deswegen wurde ich früher auch zu Recht nicht nominiert nach den Lehrgängen. Ich denke auch, dass ich mich in den letzten Jahren extrem verbessert habe.


Was konntest du persönlich von dem Sommer mit der Nationalmannschaft für dich mitnehmen?

Ich habe nach dem Sommer meine Einstellung gegenüber dem Training geändert. Das hat bei der Natio angefangen und seitdem habe ich das übernommen. Ich komme jetzt viel früher ins Training, so dass ich mich schon mal rollen und tapen kann. So kann ich schon viel besser ins Training starten. Was mich auch noch besonders beeindruckt hat, waren die Spanier. Die hatten zwei Guards, die einfach unfassbar abgeklärt waren. Die Jungs waren wirklich beeindruckend und konnten wirklich zocken. 


Dein Vater ist einer der besten und bekanntesten Basketballer Deutschlands. Wie ist das für dich?

Mittlerweile seh ich das Ganze relativ nüchtern. Es ist ja nun mal so. Früher habe ich mir selbst Druck gemacht; mein Dad war gut, also muss ich auch gut sein. Aber mittlerweile hab ich das abgestellt und seh‘ das alles objektiver. Es ist auf jeden Fall super, jemanden zu Hause zu haben, der Ahnung von dem Sport hat. Nur, man muss dann auch leider darauf hören oder sich zumindest anhören, was er sagt, weil er da meistens immer Recht hat. Aber um ehrlich zu sein, ich kenne es ja auch nicht anders. Ich weiß gar nicht, wie es wäre, wenn mein Vater kein Basketball gespielt hätte. Aber es ist auch gut so und es ist ja auch nicht so, dass wir nur über Basketball reden, dass wäre ja auch schlimm.


Dein Vater war auch jahrelang dein Trainer. Wie war das so und, wenn ihr mal ein schlechtes Training hattet, wie seid ihr damit zu Hause umgegangen?

Es war schon ganz schön heavy manchmal bei den Trainings. Er war halt immer strenger zu mir, weil er mich nicht als seinen Sohn bevorzugen wollte. Ich wollte nur wie ein ganz normaler Spieler behandelt werden. Da ist man natürlich das eine oder andere mal im Training aneinander geraten. Wir haben es aber immer hinbekommen, dass wir das nach dem Training schnell vergessen haben. Wir haben dann vielleicht noch kurz geschmollt, aber das hat sich wirklich immer relativ schnell gelegt.


Beschreibe bitte Leon Baeck abseits des Basketballfeldes und was machst du gerne in deiner Freizeit?

Manchmal witzig und ich bin ziemlich spontan. In meiner Freizeit verbringe ich viel und gerne Zeit mit meiner Freundin und meinen Freunden. Sobald ich ein paar freie Tage habe, was ja aufgrund des Basketballrhythmus meistens im Sommer ist, versuche ich ans Meer zu fahren zum Surfen. Das mache ich nun schon seit gut acht Jahren. Mit zwei Trainings am Tag ist es aber nun auch ein bisschen schwer, noch viel spektakuläres in der Freizeit zu machen.


Was gibt es für einscheindende Erlebnisse die dich in deiner Basketballkarriere geprägt haben?

Der Gewinn der Meisterschaft mit der U14 war auf jeden Fall ziemlich geil. Was mich in der letzten Zeit leider geprägt hat, ist, dass ich seit dem Sommer mit Problemen an der Partellar-Sehne zu kämpfen habe und deswegen auch eine lange Zeit aussetzten musste. 


Würdest du deinem früheren Ich raten, genau wieder alles gleich zu machen und, wenn du etwas ändern könntest, was wäre es?

Ich bin eigentlich sehr zufrieden und würde nicht viel ändern. Nur ich hätte früher gerne selbstbewusster gespielt und hätte schon früher mein eigenes Ding auf dem Feld durchziehen sollen.


Gibt es etwas was du noch loswerden möchtest?

Mamba out!

Vielen Dank Leon!

 

Foto: Gero Müller-Laschet