Robert Zinn German Basketball Future

Nürnberg Falcons-Guard Robert Zinn im Gespräch

„Spieler, die in der Offense in der Ecke stehen und sonst nur verteidigen, bringen den deutschen Basketball nicht wirklich weiter.“

 

Robert Zinn spielt momentan bei den Nürnberg Falcons in der Pro A und genießt, neben dem normalen Training, das Privileg, bei Holger Geschwindner trainieren zu dürfen. In seiner doch noch jungen Basketballkarriere hat er dennoch schon viel erlebt. Galt er in seiner Jugendzeit stets als einer der Besten in Deutschland, versucht er nun Fuß in der Bundesliga zu fassen und macht seine Sache bis jetzt gar nicht schlecht.

 

German Basketball Future: Robert, wie sieht deine akademische Ausbildung aus?

Robert Zinn: Ich mache gerade ein Fernstudium in Hagen. Wirtschaftswissenschaften im dritten Semester jetzt schon. Basketball ist zwar meine erste Priorität, aber wann immer ich zwischen den Trainingseinheiten Zeit habe, versuche ich, etwas für die Uni zu tun. Ich möchte mich nämlich auch gerne akademisch ein wenig weiterbilden, so dass ich auch ein zweites Standbein habe – im Basketball kann ja leider schnell mal was passieren. 

 

German Basketball Future: Du hast in der U16 und der U18 in der Nationalmannschaft gespielt. Wie hast du dich mit den anderen Spielern verstanden, wo man doch die gleichen Interessen hat?

Robert Zinn: Lehrgänge bei der Nationalmannschaft sind auf jeden Fall immer eine großartige Zeit. Man lernt die anderen Spieler in seinem Jahrgang richtig gut kennen. Wir verbringen ja viel Zeit zusammen. In der Nationalmannschaft haben wir uns immer richtig gut verstanden. Ich habe mit den meisten Jungs auch noch Kontakt. Wenn man mal bei den anderen in der Nähe oder in der Stadt spielt besucht man sich dann auch schon mal, oder kommt zu den Spielen und supportet sich da.

 

German Basketball Future: Was waren deine Gedanken, als du das erste Mal für die Nationalmannschaft nominiert wurdest?

Robert Zinn: Das war ein unglaublich stolzer Moment für mich, bei der Nationalmannschaft dabei zu sein und sich präsentieren zu können. Es war immer ein Traum, sein Land repräsentieren zu können. Ich war erst in der Bezirksauswahl, dann in der Württembergauswahl und dann trägt man auf einmal den Adler auf der Brust, das sind schon riesige Schritte. Als die allererste Einladung kam, war dass schon ein großartiges Gefühl. 

 

German Basketball Future: Was hast du persönlich aus einem Sommer mit der Nationalmannschaft mitgenommen?

Robert Zinn: Nun ja, ich habe dort ja auf dem internationalen Topniveau gespielt. Wenn die besten Spieler Europas gegeneinander spielen, herrscht da natürlich eine unglaubliche Intensität und das Spiel ist viel schneller. Diese Intensität habe ich immer dann versucht im heimischen Training aufs Parkett zu bringen. Ich bin auch immer mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein wiedergekommen. Wenn man im Sommer gegen die Besten Europas spielt und dann zurück in die NBBL oder die anderen deutschen Ligen kommt, da bekommt man dann schon einen gewissen Schub.

 

German Basketball Future: Du hast in Ludwigsburg während deiner Schulzeit gespielt. Warst du auf dem Sportinternat?

Robert Zinn: Ja genau, ich war dort auf dem Sportinternat. Mein Bruder hatte auch schon in Ludwigsburg gespielt. Mein damaliger JBBL-Coach Cäsar Kiersz hatte mich, als ich der U14 war, angesprochen und gesagt, dass er mich für seine JBBL haben will. Am Anfang bin ich dann immer von Tübingen, wo ich aufgewachsen bin, nach Ludwigsburg gependelt. Ich habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass das ein enormer Zeitaufwand ist und gesehen, wie gut die Möglichkeiten in Ludwigsburg doch waren. Mit 15 habe ich mich dann entschieden, aufs Internat zu gehen. Im Endeffekt waren es dann doch auch nur 45 Minuten mit dem Zug, ich war dann deswegen auch fast jedes Wochenende zu Hause bei meiner Familie.

 

German Basketball Future: Wie war denn das Internatsleben so? 

Robert Zinn: Ich denke, ein Internat ist natürlich immer aufregend. Bei uns war immer etwas los. Ich hatte das Glück, ein Einzelzimmer zu haben, das heißt, ich konnte mich dann auch mal zurückziehen, wenn mir der ganze Trubel dann doch mal zu viel wurde. Wir waren im Grunde genommen auch kein richtiges Internat. Wir waren 24 Leute in einem Haus, also eher eine größere WG. Viele Sportarten waren vertreten: Fußball, Leichtathletik, Tennis und natürlich Basketball. Es gab immer viel Action. Wenn wir abends vom Training nach Hause gekommen sind, dann haben wir uns noch Storys von unserem Tag erzählt. Wir waren wie eine kleine Familie, es hat auf jeden Fall sehr Spaß gemacht.

 

German Basketball Future: Hast du die Schule, obwohl du jung von zu Hause ausgezogen bist und dich selbst organisieren musstest, gut auf die Reihe bekommen?

Robert Zinn: Nein, mit der Schule hatte ich eigentlich nie Probleme. In Tübingen, auf meiner alten Schule war es mit der Schule ein bisschen schwieriger, da die Lehrer zwar schon Verständnis für meinen Sport hatten, aber denen war meine genaue Situation im Basketball nicht ganz so bewusst. In Ludwigsburg war es dann ein bisschen einfacher. Der Direktor selber war auch ein Basketballfan und kam sogar ab und an zu unseren Spielen. Mit den Lehrern kam ich auch super zurecht. Am Ende hab ich ja dann auch mein Abitur gut gemeistert. Um ehrlich zu sein habe ich auch kaum ein Training verpasst. Ich habe wirklich jedes Training, das angeboten wurde, auch genutzt. An manchen Tagen auch in mehreren Mannschaften hintereinander. Da kam dann vielleicht auch mal eine nicht ganz so gute Note in den Klausuren bei raus, aber mein Ehrgeiz und Hunger aufs Training waren da einfach größer.

 

German Basketball Future: Dein großer Bruder hat auch Basketball gespielt. Hat er dir als Vorbild gedient, und hast du damit mehr Ehrgeiz entwickelt?

Robert Zinn: Ich habe immer zu meinem Bruder auf geschaut. Er war immer ein guter Scorer, er hat, glaube ich, mal in einem U16-Spiel 81 Punkte gemacht. Also ein ganz anderer Spielertyp als ich. Er hat schon immer auf Power Forward gespielt, ist dann aber irgendwann nicht mehr gewachsen. Deswegen hat mein Dad auch relativ früh mir geraten, auf Point Guard zu spielen, weil ich halt nicht 2,10 Meter werde. Mein Bruder war aber definitiv immer ein Vorbild für mich und im Sommer haben wir natürlich immer 1-gg.-1 gespielt. Als ich mich dann dafür entschieden habe, Basketball zu meinem Beruf zu machen, hat er mich da auch total unterstützt und im Sommer mit mir Wurftraining gemacht. 

 

German Basketball Future: Hattest du mal den Wunsch ans College zu gehen?

Robert Zinn: Der Weg ans College wäre natürlich sehr anspruchsvoll gewesen. Eine große Herausforderung, Basketball und das Studium zu koordinieren. Ich denke aber, ich bin nicht der Spielertyp fürs College. Da ist schon der Fokus auf dem athletischen Spiel. Mir persönlich liegt das europäische Spiel definitiv besser.

 

German Basketball Future: Du warst in deinem ersten NBBL-Jahr direkt All-Star. Wie war das Event für dich?

Robert Zinn: Um ehrlich zu sein war meine Nominierung schon eine ziemliche Überraschung für mich. Malik Müller hatte damals wegen einer Verletzung abgesagt. Ich denke, ich wurde dann nachnominiert, weil das All-Star-Game auch in Ludwigsburg war. Es war auf jeden Fall eine sehr coole Erfahrung dort spielen zu dürfen. Ich hab dann da sogar noch gegen Dennis Schröder gespielt. Paul Zipser wurde MVP.

 

German Basketball Future: Zu deiner NBBL-Zeit in Ludwigsburg durftest du auch schon im Bundesligakader mittrainieren und kamst sogar auch zu einigen Kurzeinsätzen. Wie war die Umstellung?

Robert Zinn: Die Intensität ist auf jeden Fall viel höher, das ist eigentlich wirklich schwer zu vergleichen, weil es ein ganz anderes Level ist. Vor allem athletisch. Kleine Fehler werden auch direkt bestraft. Da habe ich gelernt, auch wirklich auf die Kleinigkeiten zu achten. Das hat mich nochmal sehr viel weiter gebracht gegen viel besser Spieler zu trainieren.

 

German Basketball Future: Wie wurdest du denn im Team von den älteren und erfahreneren Mitspielern aufgenommen? 

Robert Zinn: Am Anfang war es wirklich nicht ganz so einfach, es gab aber trotzdem ein paar erfahrene Spieler die mich ein bisschen an die Hand genommen haben und mir Tipps gegeben haben, was mir sehr geholfen hat. Ich habe einfach erstmal versucht, ganz in Ruhe und solide das Spiel aufzubauen und mich auf die einfachen Sachen konzentriert. Mit der Zeit hab ich dann auch immer mehr Selbstvertrauen bekommen und auch mehr Spielanteile, zuerst im Training, und dann durfte ich ja sogar auch ab und mal ein paar Minuten spielen. 

 

German Basketball Future: Dein letztes NBBL-Jahr hast du in Breitengüssbach gespielt. Wie kam es denn zu dem Wechsel? 

Robert Zinn: Persönlich habe ich mich zu diesem Zeitpunkt so eingeschätzt, dass ich noch nicht „BBL ready“ war. Das war einfach zu früh. Ich hielt es für das Beste, in der Pro B zu spielen von meinem damaligen Leistungsstand. Und ich hatte ein gutes Angebot aus Bamberg, dort in der Pro B spielen zu können und in der BBL mit zu trainieren. So hab ich mich dann entschieden, dort hinzugehen. Ich hatte auch andere Angebote, aber ich denke, wenn Bamberg mich schon haben wollte, dann sollte ich diese Chance auch wahrnehmen.

 

German Basketball Future: Du bist dann aber nur ein Jahr geblieben. Warum?

Robert Zinn: Ich hatte mich dann im Sommer nach der Saison mit meinem Agenten Ingo Wolf darauf geeinigt, dass Bamberg für mich nicht richtig funktioniert hat. Wir sind in dieser Spielzeit in die Pro A aufgestiegen und meine Spielanteile in der Pro B waren jetzt nicht so groß wie erwünscht und auch nicht so, dass ich gesagt hätte „okay, ich werde in dem Team eine wichtige Rolle in der Pro A haben“. Ich wollte aber eine größere Rolle in einer Mannschaft sein. Dann kam ein Angebot vom MBC, dort war vor allem ausschlaggebend, dass ich den Trainer noch aus Ludwigsburger Zeiten kannte, da ich mit seinem Sohn zusammengespielt hatte. Eine Vertrauensbasis war also da. Was mir beim MBC besonders gefallen hat, dass ich jedes Bundesligatraining auch wirklich voll mit trainieren konnte, was bei Bamberg immer sehr schwer war. Da hatten wir einen Kader von 16 bis 17 Leuten und im 5-gg.-5 konnte ich eigentlich nur im Sommer trainieren, wenn die Spieler mit der Nationalmannschaft unterwegs waren. Das war beim MBC ganz anders und hat mir auch geholfen, in der Pro B sehr gute Leistungen abzuliefern. In der Zeit habe ich noch mal einen großen Schritt in meiner Entwicklung gemacht.

 

German Basketball Future: In deinem zweiten Jahr beim MBC hast du ein bisschen mehr als zehn Minuten gespielt in der BBL. Wie war deine Rolle im Team?

Robert Zinn: Meine Rolle war in der ersten Saisonhälfte für mich persönlich ziemlich klar. Ich wusste, der Coach baut auf mich und auch, wenn ich mal ein Spiel ein bisschen weniger spiele, ich werde auf jeden Fall noch meine Chancen bekommen. Ich war immer motiviert und auch, wenn ich der jüngste Spieler war, hatte ich eine große Rolle im Team. Ich hatte viel den Ball in der Hand, durfte Pick-&-Roll spielen, ich hatte wirklich viel Verantwortung. Es war nicht so, dass ich nur verteidigen durfte. 

 

German Basketball Future: Diese Saison spielst du in Nürnberg. Da der MBC letztes Jahr abgestiegen ist, hättest du aber auch dort Pro A spielen können. Warum bist du gewechselt?

Robert Zinn: Ich hatte meine zwei Jahre beim MBC ja gespielt und bin dem Team wirklich dankbar für alles, aber ich wollte, wenn ich runter in die Pro A gehe, auch viel Spielzeit bekommen. Ich denke, dass wäre beim MBC trotzdem schwierig gewesen, da sie als Aufstiegskandidat Nummer eins mit vielen erfahrenen Spielern in die Saison gegangen sind und es da schwer für mich geworden wäre. Ich wollte mich auch noch individuell weiter verbessern und mit Ralph Junge hat Nürnberg einen der besten Trainer, der dich individuell verbessern kann, vor allem was den Wurf angeht. Ich denke, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war.

 

German Basketball Future: Was hast du noch für Ziele und Träume in deiner Basketballkarriere?

Robert Zinn: Ich will mich jetzt erstmal in der Pro A durchsetzen, aber ich will definitiv zurück in die erste Liga. Auch mehr Verantwortung übernehmen in den nächsten Jahren und als Spieler noch weiter reifen. Ein kleiner Traum den ich habe ist auch mal in der Zukunft international zu spielen, sprich Eurocup etc. Das ist so die Richtung, in die ich möchte, dass meine Basketballkarriere verläuft. Was ich dafür tun musst ist ganz klar hart arbeiten! 

 

German Basketball Future: Beschreibe bitte Robert Zinn abseits des Feldes.

Robert Zinn: Ich denke, ich bin ein sehr entspannter Typ, mit dem man auf jeden Fall viel Spaß haben kann. Ich mag es mit meinen Freunden viel zu Zeit zu verbringen, dass ist mir sehr wichtig. Ich unternehme auch gerne was mit der Familie. 

 

German Basketball Future: Hattest du Erlebnisse, die deine Basketballkarriere geprägt haben?

Robert Zinn: Ein negatives Ergebnis war auf jeden Fall, dass wir in der JBBL in heimischer Halle das Finale gegen Urspring verloren haben. Das war schon sehr bitter. Wir hatten quasi zwei Jahre darauf hingearbeitet. Das tut echt immer noch weh, dass wir das damals verloren haben. Positiv ist, dass ich einfach so unglaublich viele Charaktere und Persönlichkeiten durch Basketball kennengelernt habe, so viele Leut,e mit denen man eine gute Zeit hatte. Einfach viele tolle Erfahrungen gesammelt. 

 

German Basketball Future: Würdest du deinem früheren Ich raten, genau wieder alles gleich zu machen? Und wenn du etwas ändern könntest, was wäre das?

Robert Zinn: In meiner Jugendzeit war ich relativ schnell mal eingeschnappt, wenn mir etwas nicht gepasst hat. Da hatte ich auch manchmal eine schlechte Körpersprache. Rückblickend denke ich, dass es wichtig ist, egal wie es läuft, dass die Körpersprache positiv bleibt. Und das war bei mir in der Jugend leider nicht immer gut. Hätte ich das damals schon verstanden, dann hätte ich mir auch einige Probleme erspart. Aber ansonsten – man macht halt die Erfahrungen, die man macht, und mit meinen bin ich eigentlich ganz zufrieden.

 

German Basketball Future: Gibt es etwas, dass du noch loswerden möchtest?

Robert Zinn: Ich denke, dass Basketball-Deutschland auf jeden Fall in die richtige Richtung geht. Mit JBBL und NBBL wurden da sehr gute Strukturen geschaffen, die den jungen Spielern neue Möglichkeiten aufzeigen. Die Qualität der deutschen Spieler wird dadurch besser, dass konnte man in den letzten Jahren beobachten. Was noch wichtig ist, dass junge deutsche Spieler in der Pro A und Pro B viel Verantwortung bekommen und eine wichtige Rolle im Team haben. Spieler, die darauf programmiert werden, in der Ecke zustehen in der Offense und sonst nur verteidigen dürfen, bringen den deutschen Basketball nicht wirklich weiter. Der Trend geht aber auf jeden Fall in die richtige Richtung und die Spieler bekommen Verantwortung und dürfen Entscheidungen treffen auf dem Feld.

 

Vielen Dank, Robert!

Foto: Wolfgang Zink