german-basketball-future-sven jeuschede

Sven Jeuschede – Montana State University Billings

„Solche Niederlagen zeigen einem, wie herzlos das Leben sein kann“

 

Sven Jeuschede hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen erlebt, die ein junger Basketballer erfahren kann. Das JBBL Top 4 mit einer Verletzung verpasst, im Jahr darauf das NBBL-Finale nach einer perfekten Saison verloren. Nach einem Jahr in der Pro B hat es den heute 22-Jährigen Guard in die USA verschlagen, an die Montana State University Billings (NCCA Division II), wo er in seiner zweiten Saison zum Leistungsträger aufgestiegen ist. Mit German Basketball Future geht Sven Jeuschede noch einmal diesen Weg – vom kleinen TV Bensberg zu den Yellowjackets nach Billings, Montana.

 

German Basketball Future: Sven, nach einer extrem erfolgreichen JBBL-Saison, in der du mit deiner Mannschaft überraschenderweise das NBBL/JBBL Top 4 erreicht hast, musstest du einen schmerzlichen Rückschlag hinnehmen. Zwei Tage vorm Top 4 hast du dich im Schulsport verletzt und konntest nicht mitspielen. Wie bitter war das für dich, und was war dein erster Gedanke nach der Verletzung?

Sven Jeuschede: Dieser Moment war einer der schlimmsten Augenblicke in meiner Basketballkarriere, und ich kann ihn immer noch vor mir sehen, als wäre es gestern gewesen. Ich musste in dieser Saison schon die erste Hälfte aussetzen wegen einer schlimmen Knieverletzung. Als ich dann endlich wieder zu 100% bei alter Stärke war, und ich mich dann zwei Tage vor dem Top 4 im Schulsport beim Flag Football verletzt habe, war ich am Boden zerstört. Ich konnte es erstmal nicht fassen und mir war nur zum Heulen zu Mute. Ich habe mich gefühlt, als hätte ich mein Team im Stich gelassen. Aber ich habe mich schnell wieder gefasst und versuchte, alles in meiner Macht stehende zu tun, um dem Team immer noch in meiner Situation zu helfen – indem ich sie bestmöglich anfeuerte und als Anführer diente. Jeder junge Basketballer oder Leistungssportler sollte aus solch einer Situation und Geschichte lernen, während der Saison im Schulsport einen Gang zurück  und seinen Kopf einzuschalten. Besonders vor einem großen Event wie diesem.

 

German Basketball Future: Mit deinem Leverkusener Mitspieler Christian Sengfelder bist du zu deiner letzten NBBL-Saison zum Team Ehingen-Urspring gewechselt. Was waren die Hintergründe deines Wechsels?

Sven Jeuschede: Ich bin in meiner letzten NBBL-Saison nach Urspring gewechselt, weil ich dort die besten Voraussetzungen sah, mich bestmöglich weiterzuentwickeln und mich dem Profi Niveau anzunähern bzw. die Möglichkeit zu bekommen, an ein College zu gehen. Außerdem gab es dort eine gute Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach meinem Abitur zu machen.

 

German Basketball Future: Wie war die Umstellung auf das „Akademie-Leben“ in Urspring? 

Sven Jeuschede: Ich bin in Urspring nicht zur Schule gegangen, sondern habe ein FSJ gemacht. Trotzdem habe ich das „Akademie-Leben“ ein wenig miterleben können. Auf Urspring ist alles nahezu perfekt abgestimmt, und man hat eine perfekte Balance zwischen Sport und Schule. Die Trainer und Lehrer arbeiten super zusammen. Es ist wie eine große Familie, und jeder kann sich auf jeden verlassen.

 

German Basketball Future: Eure Saison lief optimal, leider musstet ihr euch im NBBL-Finale ALBA Berlin geschlagen geben. Kann man trotz so einer Niederlage etwas Positives mitnehmen?

Sven Jeuschede: Unsere Saison war wirklich wie aus dem Bilderbuch bis zum Finale. Null Niederlagen die ganze Saison hindurch und dann doch im wichtigsten Spiel des Jahres die einzige Niederlage. Herzzerreißend! Diese Niederlage hat uns alle jedoch besser gemacht, und es hat uns gezeigt, dass man von jetzt auf gleich von ganz oben nach ganz unten fallen kann und du nichts im Leben garantiert bekommst. Aus solchen Niederlagen wird man nichts als besser und stärker, und es zeigt einem, wie herzlos das Leben sein kann.

 

German Basketball Future: Du bist daraufhin nach Herten in die Pro B gewechselt. Warum bist du nicht in Ehingen geblieben?

Sven Jeuschede: In Herten gab es bessere Voraussetzungen für mich, in der Pro B Spielpraxis zu sammeln und nebenbei ein Studium zu beginnen. Die Pro A war noch eine Nummer zu groß für mich, und der Wechsel nach Herten war optimal, um mich auf einem hohen Niveau zu behaupten.

 

German Basketball Future: Dennoch hast du dich nach einer Saison in Herten dazu entschlossen, aufs College zu wechseln. Was hast du dir damals gedacht?

Sven Jeuschede: Mein Traum war es schon immer, ein Stipendium an einem College in den USA zu bekommen, und in dem Jahr in Herten habe ich die richtigen Leute kennengelernt, die mir diesen Schritt ermöglichen konnten. Außerdem hatte ich eine starke Saison in Herten, die mich auf den Radar geworfen hat.

 

German Basketball Future: Du bist jetzt in deiner zweiten Saison auf dem College. Wie ist deine Rolle im Team? Hattest du dir das Ganze so vorgestellt?

Sven Jeuschede: In meine zweiten Saison bin ich nun Starter und spiele wichtige Minuten. Ich verteidige jedes Spiel den besten Perimeter-Player des gegnerischen Teams, und ich bin ein wichtiger Bestandteil des Teams: bester Verteidiger und guter Rebounder als Guard, offensiv eine Waffe von der Dreierline und hier und da gute Drives zum Korb. Offensiv bin ich gefordert, die richtigen Entscheidungen zu treffen und meine Möglickeiten zu nutzen.

 

German Basketball Future: Was ist dein Plan, wenn du das College abgeschlossen hast?

Sven Jeuschede: Ich bin auf dem Weg, einen Abschluss als Sportlehrer zu machen. Nach dem College würde ich gerne Sportler und Trainer werden.

 

German Basketball Future: Vergleiche doch bitte das Leben an einem Internat mit dem am Montana State Campus!

Sven Jeuschede: Wie gesagt, ich durchlebte nicht wirklich das Internatsleben. Der Montana State Billings Campus ist sehr klein, und man kann zu jedem Klassenraum und zur Halle zu Fuß gehen. Als Athlet kennt dich so gut wie jeder und man wird sehr genau betrachtet. Es ist eine große Gemeinde, in der man sich sehr einfach und sehr gut zurechtfindet.

 

German Basketball Future: Dein älterer Bruder ist ein extrem erfolgreicher Kugelstoßer. Wie sehr war er, was Ehrgeiz und Arbeitswillen angeht, ein Vorbild  für dich?

Sven Jeuschede: Mein Bruder war immer ein großes Vorblid für mich und ich habe immer zu ihm heraufgeschaut. Ich wollte immer härter arbeiten als er, und wir haben uns immer in einem „competitive way“ verglichen.

 

German Basketball Future: Beschreibe bitte Sven Jeuschede abseits des Basketballfelds!

Sven Jeuschede: Bodenständig, locker, für jeden Spaß zu haben, tollpatschig, respektvoll, anerkennend und kindisch.

 

German Basketball Future: Würdest du deinem früheren Ich raten, wieder genau alles genauso zu machen? Und wenn du etwas ändern könntest, was wäre das?

Sven Jeuschede: Ich würde alles genau gleich machen. Jeder Weg hat seine Höhen und Tiefen, und es geht darum, sich durchzukämpfen und Hindernisse zu überwinden. Eine Sache, die ich vielleicht meinem früheren Ich raten würde, wäre härter in der Schule zu arbeiten und sich nicht so viel auf andere Personen zu verlassen.

 

German Basketball Future: Sven, zum Abschluss hast du noch Platz für etwas, das du schon immer loswerden wolltest!

Sven Jeuschede: Wenn du denkst es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her!

 

German Basketball Future: Vielen Dank, Sven!

Foto: Jörg Pokar